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BGH prüft Menschenhandel-Fall
Frauen zur Prostitution gezwungen

Der Angeklagte Mohamed A. im Landgericht Düsseldorf. (Archiv November 2016)
Der Angeklagte Mohamed A. im Landgericht Düsseldorf. (Archiv November 2016) FOTO: dpa, wok pzi bwe
Mit Hilfe eines Komplizen soll ein heute 33-Jähriger durch ein perfides System von Abhängigkeit, Ausbeutung und Misshandlungen vier Frauen zur Prostitution gezwungen haben. Dabei inszenierte er sich als "Gesandter" und "Heiliger". Der Fall wird jetzt vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe verhandelt.

Das Düsseldorfer Landgericht hatte den Mann dafür im November 2016 wegen schweren Menschenhandels und Zuhälterei zu zehn Jahren Haft verurteilt, seinen fünf Jahre jüngeren Komplizen, der als "Loverboy" fungierte, zu acht Jahren. Dagegen haben sowohl die Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt (AZ: 3 StR 274/17).

Die Frauen mussten nach Feststellung des Gerichts für die beiden in Bordellen im Rheinland, in Hessen, Hamburg und Stuttgart anschaffen - teils bis zu 18 Stunden am Tag. Die Männer waren im Oktober 2015 in Köln und Stuttgart festgenommen worden. Der Hauptangeklagte hat die algerische Staatsbürgerschaft, der 28-Jährige ist Deutscher.

Bei der BGH-Verhandlung beantragten sowohl die Verteidiger der Angeklagten als auch die Bundesanwaltschaft die Aufhebung des landgerichtlichen Urteils. Während die Verteidiger bei einer Neuverhandlung auf ein milderes Urteil hoffen, rügt die Bundesanwaltschaft, dass das Gericht keine Sicherungsverwahrung geprüft hat. Der BGH wollte noch am Donnerstag verkünden, wann er ein Urteil spricht.