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Feuersbrunst an der US-Westküste
Flucht vor den Flammen in Kalifornien - „eine riesige, orange Wand“

Ein Feuerwehrmann ist am 09.10.2017 in Anaheim, Kalifornien, USA, vor einem brennenden Haus im Einsatz. Schnell um sich greifende Buschbrände im Norden Kaliforniens haben Anwohner zur Flucht getrieben.
Ein Feuerwehrmann ist am 09.10.2017 in Anaheim, Kalifornien, USA, vor einem brennenden Haus im Einsatz. Schnell um sich greifende Buschbrände im Norden Kaliforniens haben Anwohner zur Flucht getrieben. FOTO: dpa
San Francisco. Von Barbara Munker, dpa Weinreben, grüne Hügel, blauer Himmel: Kaliforniens Weinregionen Sonoma und Napa sind gewöhnlich eine Bilderbuchlandschaft. Nun hängt schwarzer Rauch über den schwelenden Überresten eines Flammeninfernos. Mindestens zehn Menschen verlieren ihr Leben.

San Francisco/Santa Rosa (dpa) - Die Feuerwalze kam völlig überraschend, mitten in der Nacht. „Ich sah diese riesige, orange Wand im Dunkeln vor mir“, erzählt die Kalifornierin Victoria Fleming. „Und dann machte es Bumm!Bumm!, als die Propangas-Flaschen explodierten“, beschreibt die 36-jährige Sozialarbeiterin das nächtliche Flammeninferno nahe ihres Hauses in Santa Rosa. Sie habe nicht lange gezögert.

Schnell die Ausweise, ihre Computer und ein paar Kleidungsstücke gepackt. Mit ihrem Mann, der dreijährigen Tochter und ihrem Hund hätte sie rasch die Flucht ergriffen, schildert Fleming Stunden später der Deutschen Presse-Agentur ihre Flucht. Bei der Fahrt zu ihrer Mutter ins rund 100 Kilometer entfernte San Leandro, bei Oakland, sei Asche auf sie heruntergeregnet. Am Montagabend (Ortszeit) bangte die Familie - in sicherer Entfernung - um ihr Haus in Santa Rosa. „Es liegt mitten in Brandzone. Wir wissen nicht, ob es noch steht“, sagt Fleming. „Wir haben Glück, dass wir noch leben“, fügt sie mit tränenerstickter Stimme hinzu.

Mindestens zehn Menschen sind der Feuerwalze nicht entkommen. Allein sieben Tote gab es in dem Bezirk Sonoma County, wie die Polizei in der Weinbauregion am Montag mitteilte. Die Behörden befürchten weitere Opfer, wenn das ganze Ausmaß des Infernos bekannt wird.

„Es war apokalyptisch“, schildert der Kalifornier John LemMon in dem kleinen Weinort Glen Ellen dem „San Francisco Chronicle“. Er habe bis in die Nacht auf dem Dach seines Hauses mit dem Gartenschlauch kleine Flammen und glühende Asche gelöscht. Doch dann sei er um Mitternacht mit seiner Familie geflüchtet. Sein Haus würde noch stehen, doch der Schuppen des Nachbarn sei abgebrannt, fand er am Montag heraus.

Bei starken Winden hatten sich mehr als ein Dutzend Brände über Nacht rasch ausgebreitet. Sie schlugen Zigtausende Menschen in die Flucht. Nach ersten Schätzungen sollen 1500 Gebäude abgebrannt sein. Fernsehbilder zeigen eine glimmende Mondlandschaft, wo einst kleine Reihenhäuser standen. Aus grauer Asche ragen nur noch gemauerte Schornsteine empor, Autos und Pickup-Trucks sind zu Blechhüllen verkohlt.

Es trifft Arme und Reiche gleichermaßen. Das Luxus-Hotel Fountaingrave Inn in Santa Rosa sei „Opfer“ des verheerendes Feuers geworden, heißt auf der Webseite des Hotels. Unweit davon brannte ein Trailerpark mit Wohnmobilen ab, eine Bleibe für überwiegend ältere Menschen, die von Sozialhilfe leben. Mehr als 100 Behausungen seien zerstört worden, sagte der Mitarbeiter Jim Cook dem Sender KPIX. Es sei „ein Wunder“, dass alle Menschen in der Anlage gerettet wurden.

Der schmutzige Rauch von den Buschfeuern war auch im knapp 100 Kilometer entfernten San Francisco zu riechen und zu sehen. Gewöhnlich pilgern von dort Ausflügler und Urlauber in die idyllische Weinregion nördlich der Bay-Area-Millionenmetropole.

Daran ist vorerst nicht zu denken. Polizei und Feuerwehr wiesen Besucher dazu an, die Gefahrenzone zu meiden. Für Santa Rosa wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, auch um mögliche Plünderer abzuhalten. Viele Weingüter sind geschlossen, wie etwa das herrschaftliche Chateau St. Jean in Kenwood, so der Hinweis auf der Webseite Landsitzes. Dem „San Francisco Chronicle“ zufolge erlitt das Gebäude schwere Schäden.

(dpa)