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| 18:11 Uhr

Prozess aus Heidelberg mit Parallelen zur Lausitz
Falscher Polizist steht vor Gericht

Der Angeklagte (l) im Prozess um einen falschen Polizisten wartet in einen Sitzungssaal im Landgericht Heidelberg mit seinem Anwalt Gerd Salzmann auf den Verhandlungsbeginn.
Der Angeklagte (l) im Prozess um einen falschen Polizisten wartet in einen Sitzungssaal im Landgericht Heidelberg mit seinem Anwalt Gerd Salzmann auf den Verhandlungsbeginn. FOTO: dpa / Uli Deck
Heidelberg. Perfide Telefonbetrüger bearbeiten ältere Dame so lange, bis sie ihren Besitz einem Unbekannten übergibt.

Alles fing mit dem Telefonläuten an. Der Griff zum Hörer kostete Susanne K. (Name geändert) den Schmuck, die Wertsachen und viel Bargeld. Insgesamt rund 300 000 Euro Schaden – im Leben der Frau aus Sinsheim bei Heidelberg ist seit dem Abend des 19. Februar 2018 nichts mehr wie es war.

Susanne K. schildert die Ereignisse dieses verhängnisvollen Abends am Mittwoch dem Landgericht Heidelberg. Dort muss sich ein 30-Jähriger wegen des Falsche-Polizisten-Tricks verantworten. Als angeblicher Polizeibeamter soll er laut Anklage die Frau (64) um ihre Habseligkeiten gebracht haben.

Die Frau mit auffälligem pinken Haarschopf  gehört zu den zahlreichen älteren Menschen in Deutschland, die auf die Polizisten-Masche hereingefallen sind. Allein in Baden-Württemberg wurden damit Senioren um 5,3 Millionen Euro geprellt. Die meisten der 1955 Versuche scheiterten allerdings. Bundesweite Angaben zu diesem Delikt gibt es nicht. Die Polizei kennt ohenhin  nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Senioren melden sich nicht aus Scham, sich derart haben abzocken zu lassen.

Im Fall von Susanne K. gingen die Täter besonders perfide vor. Die beiden vermeintlichen Beamten des Polizeipräsidiums Mannheim schilderten ihr die Festnahme eines Einbrechers, bei dem eine Liste mit 47 potenziellen Opfern – darunter auch sie – gefunden worden sei. Bei ihrem eine Straße weiter lebenden Sohn sei bereits eingebrochen worden. Auch andere mit richtigem Namen genannte Nachbarn seien betroffen. „Sie sind die nächste“, warnten die zwei im Wechsel agierenden vermeintlichen Oberkommissare. Später erweckten sie den Eindruck, dass ein Einbrecher bereits im Garten sei. Von einer Pistole und Betäubungsgas war die Rede. „Ich war so starr, dass ich nicht auf den Gedanken kam, das sei nicht richtig“, erläutert die Zeugin.

Die beiden noch nicht gefassten Täter bearbeiteten die Frau fünf Stunden am Telefon. Auf Geheiß der falschen Beamten schaltete sie sogar das Handy aus. Schließlich stopfte die frühere Sekretärin Uhren, Schmuck, Münzen, Bargeld sowie den Fahrzeugbrief eines neu gekauften Jeeps aus ihrem Safe in eine Plastiktüte. Sie verschloss das Haus und traf auf den von den beiden Anrufern angekündigten Kollegen. „Ich habe dem irgendwie vertraut.“ Deshalb ließ sie den Mann in Zivil die Tasche „beschlagnahmen“.

Als diesen Abholer identifizierte sie nach eigenen Worten den Angeklagten im Gerichtssaal. „Ich bin wirklich sicher, dass er das ist.“ Der Mann wurde zwei Tage nach dem Fall in Sinsheim auf frischer Tat festgenommen. Er sollte bei einem 74-Jähringen bei Stuttgart einen Umschlag mit 47 000 Euro abholen. Doch die echte Polizei hatte Wind bekommen und ertappte ihn.

Die Tricks der Betrüger – und, wie Sie sich schützen können:
www.lr-online.de/betrug

(dpa)