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| 17:52 Uhr

Echte Fahnder gehen gegen Telefonbetrüger vor
Falsche Polizisten zunehmend unter Druck

Wenn die 110 auf dem Display des Telefons steht, ist oft gar nicht die Polizei am anderen Ende der Leitung.
Wenn die 110 auf dem Display des Telefons steht, ist oft gar nicht die Polizei am anderen Ende der Leitung. FOTO: dpa / Martin Gerten
Cottbus/Dresden/Heidelberg. Telefonbetrüger, die sich als Polizisten ausgeben und so vor allem ältere Menschen in Angst und Schrecken versetzen, gehören seit Monaten auch in der Lausitz zum Alltag. Jetzt können die echten Ermittler erste Erfolge gegen die Täter vorweisen. Von Bodo Baumert

Die Masche ist immer die gleiche: Per Telefon melden sich Betrüger bei Menschen in der Lausitz, deren Vorname im Telefonbuch darauf schließen lässt, dass sie schon etwas älter sind. Sobald der Gesprächspartner sich meldet, schlüpfen sie in die Rolle vermeintlicher Polizisten und geben sich als Ermittler in einem Fall – meist eine Einbruchsserie – aus. Um den Angerufenen vor vermeintlichen Gaunern zu schützen, bieten die falschen Polizisten an, Geld oder Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen. Eine „Kollege“ werde gleich vorbeikommen und die Gegenstände abholen. Oder das Geld soll „zur Sicherheit“ auf ein Konto im Ausland überwiesen werden.

Deutschlandweit fallen Menschen immer wieder auf diese Tricks herein. Auch in der Lausitz sind die Polizeiberichte regelmäßig voll von Meldungen, in denen Senioren das miese Treiben durchschaut haben. Wie hoch die Dunkelziffer derjenigen ist, die sich aus Scham nicht an die Polizei wenden, kann nur vermutet werden.

Bisher waren die Ermittler relativ hilflos im Kampf gegen meist aus der Türkei agierenden Callcenter und ihre Handlanger in Deutschland. Doch jetzt schlagen die deutschen Behörden zurück. Gleich mehrfach gelangen in dieser Woche Erfolge gegen die Betrüger.

Dresden: In einem internationalen Ermittlungsverfahren hat das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen Haftbefehl gegen einen 28-jährigen türkischen Staatsangehörigen erwirkt, der am Mittwoch in Ostfriesland festgenommen werden konnte. Ihm wird gewerbs- und bandenmäßiger Betrug in sieben Fällen und versuchter gewerbs- und bandenmäßiger Betrug in zehn Fällen vorgeworfen. Er soll mit anderen Bandenmitgliedern als falscher Polizist Menschen zum Transfer ihrer Vermögenswerte oder Herausgabe ihrer Wertgegenstände überredet haben. Die Ermittlungen gegen die Bande gehen weiter.

Düsseldorf: Zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis ist am Dienstag ein 48-Jähriger in Düsseldorf verurteilt worden. Mit Tausenden Anrufen im Namen der Polizei soll er mit einer Bande bundesweit Senioren in Angst versetzt haben. Im konkret verhandelten Fall war eine 80-Jährige um ihre gesamten Ersparnisse von 178.000 Euro gebracht worden. Nach dem Urteil bekommt die Seniorin nun ihr Vermögen zurück. Seit 1960 habe sie dafür gespart, sagte die Zeugin aus.

Ein 29-jähriger Komplize des Angeklagten erhielt eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung. Er hatte das Geld bei der Rentnerin abgeholt.

Heidelberg: Gleich fünf Jahre Gefängnis erhielt ein Telefonbetrüger am Montag in Heildelberg. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 30-Jährige eine ältere Frau um ihr Vermögen gebracht hatte. Die Mitte 60 Jahre alte Frau hatte im Februar nach stundenlangem Telefonterror durch vermeintliche Polizeibeamte Bargeld und Schmuck im Wert von 300.000 Euro einem falschen Polizisten gegeben, der die Wertsachen nach eigenen Worten für Ermittlungszwecke beschlagnahmen wollte.

Die Urteile und das laufende Ermittlungsverfahren des LKA Sachsen könnten den Druck auf die Banden nun deutlich erhöhen. Die türkischen Callcenter haben sich nach Erkenntnissen deutscher Ermittler darauf spezialisiert, als falsche Polizisten aufzutreten. Das geht aus Erkenntnissen der Polizei in Köln hervor. Demnach ist für den starken Anstieg solcher Betrugsversuche in Deutschland vor allem eine Gruppe aus Izmir verantwortlich. Dabei soll es sich zum Teil um Rocker aus Deutschland handeln, die in die Türkei geflohen sind oder abgeschoben wurden. Kopf soll  der Präsident des ehemaligen Hells-Angels-Chapters C-Town aus Köln sein.

Mehr zu den Tricks der Banden lesen Sie in unserem Themenschwerpunkt Betrug.

(mit dpa)