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Es fehlen Auffangstationen für Reptilien

Florian Brandes, Stationsleiter und Fachtierarzt für Wildtiere, mit einer Kornnatter in der Quarantänestation der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen in Niedersachsen.
Florian Brandes, Stationsleiter und Fachtierarzt für Wildtiere, mit einer Kornnatter in der Quarantänestation der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen in Niedersachsen. FOTO: Holger Hollemann/dpa
Sachsenhagen. Bekannt werden nur die spektakulären Fälle: Beinahe täglich entwischen Schlangen, Echsen und Schildkröten aus Wohnungen und Gärten oder werden gar von ihren Besitzern ausgesetzt. Die meisten Tierheime sind mit den Bedürfnissen der anspruchsvollen Reptilien überfordert, spezialisierte Auffangstationen oft überlastet. Christina Sticht

Der Deutsche Tierschutzbund, der jetzt ein neues, spendenfinanziertes Reptilienzentrum in Weidefeld (Schleswig-Holstein) eröffnet hat, sieht die Politik am Zug. Präsident Thomas Schröder sagt: "Eigentlich müssten Bund, Länder und auch Kommunen Auffangstationen bauen, denn die lassen den Handel und die Haltung der Tiere in privater Hand immer noch zu." Die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen westlich von Hannover ist mit einer Fläche von 20 Hektar die größte ihrer Art. Das Zentrum auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände erhält jährlich 120 000 Euro vom Land Niedersachsen, dies ist etwa ein Drittel seines Etats. Der Rest wird mit Hilfe der Tierschutzorganisation Aktion Tier und über Spenden finanziert. 2450 Tiere wurden im vergangenen Jahr aufgenommen, darunter 300 Reptilien. Aktuell beherbergt das Zentrum 177 Schlangen, Echsen und Co. - insgesamt 54 Arten. "Viele Menschen kaufen für 20 Euro eine Boa oder Bartagame, sind aber nicht bereit, in ein Terrarium zu investieren", beklagt der Leiter der Station, Florian Brandes. Der Fachtierarzt für Wildtiere plädiert dafür, dass angehende Reptilienbesitzer eine Sachkundeprüfung machen müssen - so wie es für Hundehalter in einigen Bundesländern verlangt wird. Bisher gibt es eine solche Prüfung nur auf freiwilliger Basis. In Sachsenhagen werden alle Neuankömmlinge untersucht und viele von ihnen zunächst in der Quarantäne-Station untergebracht. Bevor die Tiere an Zoos weitergegeben werden, ist ein Gesundheitsnachweis notwendig.