ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:28 Uhr

Ressourcen sind aufgebraucht
Deutsche leben ab 2. Mai auf Öko-Kredit

Ausgequetscht: Die Deutschen haben ihr Ressourcen bereits aufgebracht. Ab 2. Mai leben die Bundesrepublik-Bewohner auf Pump, und zwar auf Kosten der Erde. Im August dürfte nach Berechnungen der globale Erdüberlastungstag erreicht sein.
Ausgequetscht: Die Deutschen haben ihr Ressourcen bereits aufgebracht. Ab 2. Mai leben die Bundesrepublik-Bewohner auf Pump, und zwar auf Kosten der Erde. Im August dürfte nach Berechnungen der globale Erdüberlastungstag erreicht sein. FOTO: fotoInga Nielsen / fotolia
Berlin/Bonn. Es ist noch nicht mal die Hälfte des Jahres vorbei, aber die Deutschen haben schon alles an Ressourcen verbraucht. Ab jetzt Leben die Bundesrepublik-Bewohner auf Pump, und zwar auf Kosten der Erde.

Dass Deutschland an diesem Mittwoch seine natürlich verfügbaren Ressourcen für 2018 aufgebraucht hat, ist ein Ergebnis von Berechnungen der Forschungsorganisation Global Footprint. Die Menschen in Deutschland lebten dann für den Rest des Jahres auf Kosten kommender Generationen und der Menschen im Süden, die deutlich weniger verbrauchen, aber stärker von den ökologischen Folgen betroffen sind, teilte die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch mit.

In Deutschland ist der Tag im Vergleich zum Vorjahr (24. April) zwar etwas nach hinten gewandert. Das Global Footprint Network erklärt jedoch, dass die leichte Verbesserung im Basisjahr für die aktuelle Berechnung (2014) vor allem auf Schwankungen bei den CO2-Emissionen zurückzuführen ist. Diese waren wegen eines milden Winters von 2013 auf 2014 leicht gesunken. Sie stiegen danach aber wieder an.

Wenn alle Menschen weltweit so leben und wirtschaften würden wie in Deutschland, bräuchte die Weltbevölkerung statt einer sage und schreibe drei Erden. Der ökologische Fußabdruck der Menschen und der Wirtschaft müssten kleiner werden. Deutschland liege im globalen Vergleich im oberen Viertel aller Länder. Zum Vergleich: Bei einem weltweiten Ressourcenverbrauch wie heute in den USA bräuchten wir fünf Erden, bei einem wie in China 2,2, wie in Frankreich 2,8 und in Großbritannien 2,9 Erden. Die gesamte Weltbevölkerung bräuchte 1,7 Erden, um den globalen Bedarf an natürlichen Rohstoffen wie Ackerland und Wäldern nachhaltig zu decken. Der globale Erdüberlastungstag werde im August erwartet.

Bisher sei keine Trendwende in dem viel zu großen Ressourcenverbrauch in Sicht, sagte Julia Otten von Germanwatch: „Der Tag zeigt, dass wir schnell unseren CO2-Ausstoß verringern müssen, der in Deutschland seit 2009 nicht mehr gesunken ist.“ Vor allem bei den Emissionen aus der Energieversorgung und dem Verkehr bestehe dringender Handlungsbedarf. Aber auch der Flächenbedarf für die Fleischproduktion und die Überlastung der Böden durch Düngemittel überfordere den Planeten. „Die neue Bundesregierung muss die Klima- und die Agrarpolitik zusammen denken“, forderte Lena Michelsen vom Entwicklungsnetzwerk Inkota in der gemeinsamen Mitteilung.

Für Mathis Wackernagel von Global Footprint ist es demnach bezeichnend, dass es auf Deutsch, Italienisch oder Französisch keinen treffenden Begriff für diesen „Overshot“, dieser Überlastung des Planeten gibt. Das sei vergleichbar mit einer Krankheit, für die der Arzt keinen Namen und nur eine vage Therapie habe.

Berechnet wird der Weltüberlastungstag mit Hilfe des sogenannten ökologischen Fußabdrucks. Dafür werden zwei Größen gegenübergestellt: zum einen die biologische Kapazität der Erde, Ressourcen aufzubauen und Abfälle wie CO2-Emissionen aufzunehmen (Biokapazität), zum anderen der gesamte Bedarf an nutzbaren natürlichen Ressourcen wie Wäldern, Ackerland und Flächen, den die Menschen für ihre derzeitige Lebens- und Wirtschaftsweise brauchen (ökologischer Fußabdruck). Berechnungsgrundlage sind UN-Daten.

Den eigenen ökologischen Fußabdruck berechnen und mehr Infos zum Thema gibt es auf www.germanwatch.org.

(pm/dpa/lsc)