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Erde bebt am 32. Jahrestag

Rettungskräfte suchen nach Überlebenden des Erdbebens. Genau am Jahrestag des schweren Erdbebens von 1985 ist die Millionenmetropole am 19. September 2017 erneut von einem heftigen Beben erschüttert worden.
Rettungskräfte suchen nach Überlebenden des Erdbebens. Genau am Jahrestag des schweren Erdbebens von 1985 ist die Millionenmetropole am 19. September 2017 erneut von einem heftigen Beben erschüttert worden. FOTO: dpa
Mexiko-Stadt. Trümmerhaufen in Mexiko-Stadt, verzweifelt suchen Retter nach Verschütteten: Nach einem heftigen Erdbeben der Stärke 7,1 sind in Mexiko mehr als 220 Menschen ums Leben gekommen. Ausgerechnet am Jahrestag des verheerenden Erdbebens von 1985 bebte die Erde wieder stark. Georg Ismar

Nach Angaben von Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong starben mindestens 226 Menschen. Allein in einer eingestürzten Schule wurden in Mexiko-Stadt mindestens 32 Kinder und fünf Erwachsene getötet. "Dieses Erdbeben ist eine harte Probe und sehr schmerzhaft für unser Land, aber wir Mexikaner haben gelernt, dem mit dem Geist der Solidarität zu antworten", sagte Staatspräsident Enrique Peña Nieto.

Neben der Hauptstadt waren besonders die Bundesstaaten Morelos und Puebla betroffen, das Zen trum lag rund 130 Kilometer Luftlinie südöstlich von Mexiko-Stadt bei Axochiapan. In Atzala im Bundesstaat Puebla stürzten während einer Taufe das Dach und die Kuppel einer Kirche ein, mindestens elf Menschen wurden hier getötet. Mindestens 700 Menschen wurden durch das Erdbeben verletzt, 400 davon schwer.

Da mehrere Krankenhäuser beschädigt wurden, mussten Verletzte teils unter freiem Himmel von Ärzten notdürftig versorgt werden. Nach Angaben des Energieunternehmens CFE waren 3,8 Millionen Menschen zeitweise ohne Strom, auch das Telefonnetz kollabierte in der Stadt.

Dramatisch war die Lage an der Grundschule "Enrique Rébsamen" in Mexiko-Stadt. Dort war auch ein Kindergarten untergebracht. Bisher wurden 37 Leichen geborgen. "Wir schätzen, dass noch zwischen 30 und 40 Menschen in den Trümmern gefangen sind. Wir hören aber Stimmen, einige sind noch am Leben", sagte Marine-Sprecher José Luis Vergara. Weitere 209 Schulen in Mexiko-Stadt wurden geschlossen, 15 davon haben schwere Schäden, sagte Bildungsminister Aurelio Nuño Mayer.

Ausgerüstet mit Atemmasken, Fahrradhelmen, Spitzhacken und Schaufeln halfen Hunderte Freiwillige in Mexiko-Stadt bei den Rettungsarbeiten mit. Im Licht von Taschenlampen und Scheinwerfern suchten sie auch die ganze Nacht zwischen den Steinen der zusammengestürzten Gebäude nach möglichen Überlebenden. Auch zwei Gefängnisse im Bundesstaat Puebla mussten evakuiert und Gefangene verlegt werden. Der internationale Flughafen der Hauptstadt stellte den Betrieb ein, über 180 Flüge fielen aus. Betroffen vom Beben war auch das legendäre Azteken-Stadion, durch eine Tribüne zog sich ein breiter Riss.

In Mexiko-Stadt ist vor allem das Zentrum mit den touristischen Vierteln betroffen. Viele der beschädigten oder eingestürzten Gebäude wurden vor dem Erdbeben 1985 gebaut und entsprachen nicht den später eingeführten strengeren Baunormen. Bei dem schweren Erdbeben am 19. September 1985 waren rund 10 000 Menschen ums Leben gekommen. Rund zwei Stunden vor dem heftigen Erdstoß am Dienstag - wieder ein 19. September - hatten sich Behörden, Unternehmen und Schulen noch an der alljährligen Erdbebenübung beteiligt. Kurz nach dem Testfall bebte dann um 13.14 Uhr (Ortszeit) die Erde tatsächlich. Tausende Menschen versuchten verzweifelt, sich nach draußen zu retten.

Mehrere Nachbeben versetzen die Menschen zusätzlich in Angst. Erst am 7. September waren bei einem Beben der Stärke 8,2 rund 100 Menschen in Mexiko umgekommen.