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| 20:49 Uhr

Todkranker Junge
Alfies Eltern verlieren vor Berufungsgericht

Alfie (Archivbild vom 5. April 2018).
Alfie (Archivbild vom 5. April 2018). FOTO: afp
London. Die Eltern des todkranken britischen Jungen Alfie Evans haben laut Medienberichten erneut eine Niederlage vor Gericht hinnehmen müssen.

Die Eltern des todkranken Alfie Evans haben erneut eine Niederlage vor Gericht hinnehmen müssen. Demnach darf der knapp zwei Jahre alte britische Junge nicht für lebenserhaltende Maßnahmen nach Italien gebracht werden.

Ein Berufungsgericht in London bestätigte am Mittwochabend ein Urteil, wonach Alfie nicht für eine weitere Behandlung nach Rom ausgeflogen werden darf. Die drei Richter wiesen die vom Vater und der Mutter des Jungen eingereichten Beschwerden gegen die Entscheidung zurück. Seit der entsprechenden Entscheidung der Vorinstanz habe sich nichts geändert, sagte Richter Andrew McFarlane.

Der knapp zwei Jahre Alfie hat eine schwere neurologische Krankheit, die noch nicht klar diagnostiziert ist. Die Ärzte im Kinderkrankenhaus Alder Hey in Liverpool halten weitere lebenserhaltende Maßnahmen für sinnlos, weil die Krankheit das Gehirn des Kindes fast vollständig zerstört haben soll. Sie wollen Alfie weiteres Leiden ersparen und ihn deshalb so bald wie möglich sterben lassen. Die Eltern dagegen wollen, dass Alfie solange wie möglich lebt und in Italien weiter behandelt wird.

Am Montag wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen für Alfie eingestellt. Zur Überraschung seiner Ärzte atmete der Junge von alleine weiter, wie sein Vater Tom Evans berichtete. Am Mittwoch sei dem Jungen erstmals seit 36 Stunden wieder Nahrung verabreicht worden. "Alfie schlägt sich weiter so gut er kann. Er kämpft", sagte Evans dem Fernsehsender ITV. Sein Anwalt Paul Diamond sagte, sein Mandant akzeptiere, dass sein Sohn sterben werde. Er wünsche aber eine Palliativversorgung entsprechend seinem katholischen Glauben.

Der Fall erreichte auch Papst Franziskus. Er betete öffentlich für Alfie und andere Schwerkranke. Auch in einem ähnlichen Fall im vergangenen Jahr hatte sich Franziskus zu Wort gemeldet: Damals starb der kleine Charlie Gard an einem seltenen Gendefekt, nachdem seine Eltern erfolglos vor Gericht für seine Überstellung in die USA und später nach Italien gekämpft hatten.

In Deutschland würde Alfie nach Expertenansicht "selbstverständlich auf Wunsch der Eltern weiterbehandelt". Das sagte der Professor für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin vom Universitätsklinikum München, Nikolaus Haas, der Deutschen Presse-Agentur. Der Medizinprofessor zeigte sich verwundert, dass Alfie nicht schon lange bei seinen Eltern ist. In Deutschland gebe es Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen, die in einem ähnlichen Zustand zu Hause betreut würden.

(wer)