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Eine lange Reise des Nobelpreisträgers

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Zur Person. Le Clézio ist ein Weltbürger. In seinen Romanen und Erzählungen durchquert er die halbe Welt – auf der Suche nach seinen eigenen Wurzeln. dpa/kr

Nigeria, Mauritius, Panama und Nizza: Rastlos und unermüdlich führen ihn seine literarischen Werke seit inzwischen mehr als 50 Jahren durch die Welt. "Eine lange Reise" heißt der Titel eines seiner Werke. Es könnte auch für Le Clézios Leben selbst stehen. Denn der Schriftsteller, der am heutigen Montag seinen 75. Geburtstag feiert, spürt in seinem Werk, für das er 2008 den Nobelpreis für Literatur erhielt, seiner Lebensgeschichte nach.

Sein zuletzt auf Deutsch erschienener Erzählband "Der Yama-Baum und andere Geschichten" (2013) führt den Schriftsteller diesmal von Frankreich bis nach Liberia. Er handelt von Frauen und ihren persönlichen Lebenskämpfen. Ein Thema, das J.M.G. (Jean-Marie Gustave) Le Clézio bereits in "Lied vom Hunger" aufgreift. Das 2009 in Deutschland veröffentlichte Buch ist ein bewegendes Porträt seiner Mutter Ethel, die mit ihren Eltern vor den deutschen Soldaten nach Nizza flüchtete, wo er am 13. April 1940 geboren wurde.

Le Clézio rekonstruiert in seinen mehr als 35 Romanen, Essays und Erzählungen Familiengeschichte. Seine Kindheit verbrachte er in Nizza. Seinen Vater, einen britischen Tropenarzt in Nigeria und Kamerun, der während des Zweiten Weltkrieges dort und von seiner Familie getrennt geblieben war, lernte er erst als Achtjähriger kennen, als er mit seiner Mutter und seinem um ein Jahr älteren Bruder nach Afrika reiste. Während der zweimonatigen Schiffsreise schrieb er in der Kabine seine ersten Erzählungen. Zu reisen und zu schreiben gehören seither für ihn zusammen.

"Ich habe oft das Gefühl gehabt, meine Vorfahren wohnten in mir, und ich würde durch ihre Augen sehen", erklärte er sein autobiografisch geprägtes Werk. Seine Vorfahren hatten vor gut 200 Jahren ihre bretonische Heimat verlassen, um sich auf der Insel Mauritius niederzulassen. Le Clézio hat neben der französischen auch die Staatsangehörigkeit von Mauritius. Einem Ort zentraler Sehnsucht, wie er in seinem Roman "Revolutionen" schreibt. Auch in "Der Yama-Baum und andere Geschichten" führt ihn seine Reise auf die Insel.