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Ein Pullover mit Botschaft

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Zur Person. 14 Jahre ist es her, seit Klaus Bednarz die Moderation von "Monitor" abgab. Es kommt einem länger vor. Das liegt wohl daran, dass er damals schon ein wenig aus der Zeit gefallen war. dpa/sm

Der in Falkensee in Brandenburg geborene Bednarz, der am Dienstag im Alter von 72 Jahren gestorben ist, gehörte eigentlich in die 80er.

Bonner Republik, Kohl-Ära. Da bekam er seine beiden Grimme-Preise. Da war "Monitor" ein Machtfaktor. Wenn das ARD-Magazin am Dienstagabend berichtete, dass Würmer im Fisch waren, blieben in Deutschland am Mittwoch die Fischläden leer. Unvorstellbar, dass ein politisches Fernsehmagazin heute eine solche Relevanz haben könnte.

Damals, in den 80ern, hatten im Journalismus nicht die Schönschreiber das größte Renommee, sondern die Enthüller. Und wenn es um Aufdecken und Anprangern ging, reichte im Fernsehen keiner an "Monitor" heran.

Der aufklärerische Ansatz war allerdings nur der eine Grund, warum man die Sendung einschaltete. Der andere war, dass man sich entweder durch Bednarz bestätigt sehen oder sich über ihn aufregen wollte. Politische Magazine hatten damals noch eine klare politische Ausrichtung. Gerhard Löwenthal predigte im "ZDF-Magazin" jahrzehntelang "Marx ist Murx". Das vom WDR produzierte "Monitor" wiederum war das rote Tuch für alle Schwarzen. Franz Josef Strauß bezeichnete die Sendung einmal als "Rote Reichsfernsehkammer".

Bednarz wehrte sich bis zuletzt gegen diese Zuordnung. Und es stimmt: Er war nie ein Parteigänger in dem Sinne, dass er bestimmten Politikern das Wort geredet hätte, womöglich noch aus Berechnung. Nein, seine Betroffenheit war echt. Jedesmal aufs Neue.

Er war der Chronist deutscher Missstände. Mit monotoner Stimme und anklagendem Blick listete er die Unzulänglichkeiten der Republik auf: Umweltsünden, Diskriminierung, Korruption, Machtmissbrauch, Ausbeutung, Rüstungsgeschäfte. Irgendwann in den späten 90ern begann Bednarz wie ein Relikt aus einer früheren Epoche zu wirken. Vieles in Deutschland hatte sich verändert, aber er saß da noch immer mit seiner dickrandigen Brille und dem Pullover unter der Anzugjacke. Heute würde so etwas im deutschen Fernsehen selbstverständlich nicht mehr toleriert.