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| 02:39 Uhr

Ein Popstar der Wissenschaft

Stephen Hawking
Stephen Hawking FOTO: dpa
Cambridge. Schwarze Löcher, durchs All rasende Mini-Raumschiffe, Gefahren durch schlaue Roboter – Stephen Hawkings Gedankenwelt klingt wie Science-Fiction. Silvia Kusidlo

Körperlich total hilflos, aber der brillante Geist läuft auf Hochtouren: Stephen Hawking gehört zu den größten Wissenschaftlern aller Zeiten. Am Sonntag wird das Genie 75 Jahre alt - nach der Prognose seiner früheren Ärzte müsste er schon seit Jahrzehnten tot sein.

Von Reisen rund um den Globus hält das Hawking, der in einem Rollstuhl sitzt und seit einem Luftröhrenschnitt vor etwa 30 Jahren nicht mehr sprechen kann, nicht ab. Hawking leidet an der unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Seit Jahrzehnten ist er nahezu bewegungsunfähig. Nur mithilfe eines Computers kann er sich mühsam verständigen.

An ALS erkrankte Hawking als Physikstudent: "Plötzlich begriff ich, dass es eine Reihe wertvoller Dinge gab, die ich tun könnte, wenn mir ein Aufschub gewährt würde." Mit großem Ehrgeiz und scharfem Verstand brachte er es weit. 1979 wurde er Professor für Mathematik in Cambridge, mehr als 30 Jahre lang hatte er dort den berühmten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik inne.

Hawking begeisterte die Fachwelt mit seinen Theorien zum Ursprung des Kosmos und zu monströsen Schwarzen Löchern. "Ich möchte das Universum ganz und gar verstehen", sagte er. "Ich möchte wissen, warum es so ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert." Sein Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" machte ihn bei Laien populär.

Bereits als Doktorand hatte Hawking 1965 zusammen mit dem Briten Roger Penrose einen wichtigen mathematischen Beleg für die Urknalltheorie geliefert.

Hawking beschäftigte sich mit Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie und konnte zeigen, dass sie einen Anfang des Universums voraussagte - "ein Ergebnis, das die Kirche interessiert zur Kenntnis nahm", wie Hawking in seiner Autobiografie "Meine kurze Geschichte" (Rowohlt, 2013) schrieb.

Machten ihn nur seine Theorien berühmt? Hawking argwöhnt: "Ich bin der Archetypus eines behinderten Genies", sagte er der BBC. "Die Menschen sind fasziniert von dem Gegensatz zwischen meinen extrem eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten und den gewaltigen Ausmaßen des Universums, mit dem ich mich beschäftige."

Hawking ist eine Art Popstar der Wissenschaft und nimmt auch zu populären Themen wie Zeitreisen und Außerirdischen Stellung. Zunehmend tritt er als Mahner auf. Intelligente Roboter, Klimaerwärmung, Atomkrieg und durch Gentechnik hergestellte Viren könnten die Erde gefährden, warnt er. Die Menschheit müsse sich Ausweichmöglichkeiten im All schaffen für den Fall, dass es zu einer hausgemachten Katastrophe kommt. Gemeinsam mit dem russischen Milliardär Juri Milner plant er, eine Armee nur etwa briefmarkengroßer Raumschiffe auf eine 20-jährige Erkundungsreise zum Sternensystem Alpha Centauri zu schicken.

Hawking war zweimal verheiratet und hat drei Kinder. 30 Jahre lang war er mit seiner Jugendliebe verheiratet, die Ehe scheiterte. Später nannte seine Ex-Frau ihn einen Haustyrannen: "Sein Ruhm trug ihn aus dem Orbit unserer Familie." 1995 heiratete Hawking seine Pflegerin, die Verbindung hielt elf Jahre.