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| 02:39 Uhr

"Egon" wirbelt Deutschland durcheinander

Das Dach eines Wohngebäudes in Hanau (Hessen) wurde vom Sturmtief "Egon" stark beschädigt.
Das Dach eines Wohngebäudes in Hanau (Hessen) wurde vom Sturmtief "Egon" stark beschädigt. FOTO: dpa
Berlin. Der heftige Sturm macht Tausenden Menschen in Deutschland zu schaffen. Autos schlittern, Schulbusse stecken fest, Züge verspäten sich und Flüge fallen aus. dpa/pb

Das Sturmtief "Egon" hat in vielen Teilen Europas den Verkehr heftig durcheinander gewirbelt. Autos rutschten auf den Straßen, Schulbusse blieben im Schnee stecken, Dächer wurden abgedeckt, und Tausende Menschen hatten keinen Strom. In Deutschland gab es zahlreiche Unfälle mit Dutzenden Verletzten. Ein Autofahrer starb auf der A7 in Schleswig-Holstein. Ursache für den Unfall war vermutlich Glätte, wie eine Polizeisprecherin am Freitag sagte. Am Frankfurter Flughafen wurden 125 Flüge wegen des starken Sturmes annulliert. In Leipzig/Halle und Dresden wurden einzelne Flüge gestrichen. Wetterdienst und Bahn geben noch keine Entwarnung.

Die Geschwindigkeiten der Windböen hielten sich im Land Brandenburg am Freitag zunächst noch in Grenzen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Potsdam mitteilte. Am Nachmittag erreichten sie demnach vereinzelt noch Geschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometern. "Egon" zog indes Richtung Polen weiter. Vielerorts in Brandenburg regnete es, im Osten des Landes gab es laut DWD Schneeregen. Zum Wochenende könnten die Straßen wieder glatt werden.

In den nächsten Tagen wird es demnach tagsüber regnen, die Temperaturen bewegen sich voraussichtlich im Plusbereich. Für Samstag werden Höchstwerte von bis zu drei Grad erwartet, am Sonntag bis zu zwei Grad. In den Nächten wird es laut DWD Temperaturen unter Null geben. Das könnte dann zu glatten Straßen führen.

Bereits am Freitag gab es auf Straßen wegen Glätte wieder Verkehrsbehinderungen. Ein Unfall mit mehreren Autos ereignete sich etwa in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz), wie die Polizei mitteilte. Zunächst rutschte am Freitag ein Auto in einen Graben. Ein Fahrer eines anderen Autos versuchte zu helfen - in der Folge prallte dann ein drittes ankommendes Auto gegen beide Wagen. Als später die Polizei den Unfall aufnahm, fuhr ein weiteres Auto gegen den Streifenwagen. Verletzt wurde niemand.

Für stärkere Behinderungen hat "Egon" in Sachsen gesorgt. Böen der Windstärke 11 wurden am Freitag im Raum Chemnitz gemessen, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sagte. Auf dem Fichtelberg brachte es der Wind auf eine Geschwindigkeit von bis zu 149 Kilometer pro Stunde - das entspricht einem Orkan - und der höchsten Windstärke 12. Die Schwebebahn und der Vierersessellift standen still.

"Da geht die Sicherheit vor", sagte der Geschäftsführer der Fichtelberg Schwebebahn GmbH, René Lötzsch. Lediglich ein Schlepplift sei in Betrieb.

Auch in der Skiwelt Schöneck im Vogtland blieben Schlepp- und Sessellifte angesichts von Orkanböen bis zu 90 Kilometer pro Stunde und starken Schneeverwehungen geschlossen. Die Vogtlandbahn drosselte aus Sicherheitsgründen die Höchstgeschwindigkeit für die Fahrten auf allen Strecken auf 50 Kilometer pro Stunde. Dies könne zu Verspätungen im gesamten Netz führen, hieß es. Auf den Flughäfen in Dresden und Leipzig/Halle fielen am Morgen drei Flüge von und nach Frankfurt aus.

Sachsenweit wehte "Egon" mit Windstärken zwischen acht und neun. In Chemnitz und im Erzgebirge sorgten Schneeverwehungen, umgestürzte Bäume und liegen gebliebene Fahrzeuge für Verkehrsbehinderungen. Zahlreiche Straßen mussten vorübergehend gesperrt werden, etwa die B 95 zwischen Morgensonne und Bärenstein. Auch die B 174 Richtung Marienberg war für einige Zeit nicht passierbar. Allein bis zum Freitagnachmittag wurden in der Region rund 60 Unfälle registriert - Menschen wurden nicht verletzt.

Polizei und Feuerwehr mussten in Zwickau zu mehr als 20 Einsätzen wegen des stürmischen Wetters ausrücken. Unter anderem fielen in Reichenbach und Crimmitschau Bäume auf ein Auto, verletzt wurde niemand. In Plauen, Auerbach und Wilkau-Haßlau ließ "Egon" Bäume umstürzen, Stromleitungen wurden mitgerissen. Die Grenzübergänge in Bad Elster und Ebmath/Ash waren wegen Schneeverwehungen blockiert.

In Bautzen krachten fünf Autos auf spiegelglatter Straße ineinander, der Schaden lag bei rund 25 000 Euro. Ansonsten blieb es in Ostsachsen, Leipzig und Dresden weitestgehend ruhig, der Winterdienst ist dennoch in Alarmbereitschaft.

Laut DWD folgt am heutigen Sonnabend auf Tief "Egon" gleich das nächste - Tief "Caius". Dann soll es zwar weniger stürmisch, dafür aber recht winterlich werden. Laut Deutschem Wetterdienst sind erneut Niederschläge zu erwarten, die oberhalb von 300 Metern als Schnee herunterkommen.