ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:39 Uhr

Dynastie wartet auf Königin

Modjadji Molokwane, Mitglied der königlichen Familie des Balobedu-Volks, das in Südafrika die Regenkönigin stellt, setzt ihre Hoffnungen auf eine Elfjährige.
Modjadji Molokwane, Mitglied der königlichen Familie des Balobedu-Volks, das in Südafrika die Regenkönigin stellt, setzt ihre Hoffnungen auf eine Elfjährige. FOTO: Sinikka Tarvainen/dpa
Khethakoni. In einer abgelegenen Region Südafrikas haben seit Jahrhunderten Frauen das Sagen. Seit dem Tod der letzten Regenkönigin 2005 sitzt derzeit ein Mann auf dem Thron. Alle Hoffnungen ruhen nun auf einer elfjährigen Prinzessin im fernen Johannesburg. Sinikka Tarvainen

Im Norden Südafrikas residiert eine Dynastie, die nur von Frauen geführt wird. In deren Händen liegt der Legende nach die Kraft, Regen zu machen. Doch das Haus der Regenköniginnen in einem Teil der Provinz Limpopo kämpft mit der Moderne.

Nach dem Tod der letzten Regentin wächst deren Tochter in Johannesburg auf. Die Zukunft der Monarchie hänge daher teils von Prinzessin Masalanabo und ihrer Fähigkeit ab, ihre moderne Ausbildung in der Großstadt mit den strengen Traditionen in Einklang zu bringen, sagt Moshakge Molokwane, ein hohes Mitglied der königlichen Familie. "Es wird eine wirkliche Herausforderung für sie", sagt er. Die Regentinnen sind seit etwa zwei Jahrhunderten die repräsentativen Oberhäupter des Balobedu-Volks im Nordosten der Republik. Zu dem Volk gehören Schätzungen zufolge mehrere Hunderttausend Menschen. Die Königinnen werden "Modjadji" genannt, was übersetzt entweder Mutter oder Tochter der Sonne bedeutet. In Südafrika gibt es neben der Regenkönigin noch zehn weitere repräsentative Könige, denen von der Regierung auch ein Gehalt gezahlt wird. Sie kümmern sich um regionale Angelegenheiten und schlichten Streitereien um Land oder in Familien.

Das Protokoll für "Modjadjis" am Königshof im Dorf Khethakoni ist streng: Regenköniginnen heiraten nicht. Sie haben Diener und leben in Abgeschiedenheit. Kinder dürfen sie nur mit einem adeligen Mann bekommen, den der königliche Rat für gut genug befindet. Dessen Identität bleibt geheim.

Makobo, die letzte Königin, mochte die Regeln nicht. Die Regentin, die als erste eine höhere Schule besucht hatte, schockierte die Traditionalisten mit Touren durch Einkaufszentren, berichteten Medien. Sie benutzte Computer und feierte Partys. Außerdem habe sie sogar öffentlich eine Beziehung mit einem bürgerlichen Mann geführt.

Nach zwei Jahren der Regentschaft starb Makobo 2005 mit nur 27 Jahren an einer Krankheit. Seither sitzt auf dem Thron der Regenköniginnen ein Mann - ein Interims-König. Die Hoffnung auf die Rückkehr einer Königin liegt nun auf der elf Jahre alten Masalanabo. Sie wächst in Johannesburg bei einem Abgeordneten, der auch den Balobedu angehört, auf. Zu ihrem Schutz schirmt Mathole Motshekga die junge Thronfolgerin von der Öffentlichkeit ab.

Experten führen die gegenwärtige Dürre in Südafrika zwar auf die Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño zurück, manche Einheimische mutmaßen jedoch, dass die Abwesenheit einer Regenkönigin auch zu der Trockenperiode geführt haben könnte. Ohne Königin kein Regen, so die Logik.

Viele am Hof sind zuversichtlich, dass die Prinzessin die anstehenden Aufgaben meistern wird, sobald sie 18 Jahre ist.