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| 11:35 Uhr

Steigende Rauschgiftkriminalität
Drogenhandel findet jetzt per Post statt

Päckchen, in denen sich abgepacktes Kokain befindet, liegen beim Zoll.
Päckchen, in denen sich abgepacktes Kokain befindet, liegen beim Zoll. FOTO: dpa / Axel Heimken
Wiesbaden. Der Drogenhandel in Deutschland wächst weiter. Das geht aus Zahlen für das Jahr 2017 hervor, die das BKA am Mittwoch vorgestellt hat. In der Lausitz bleibt vor allem Crystal Meth ein Problem. Was sich ändert, sind die Vertriebswege. Von Bodo Baumert

Drogen bringt heutzutage nicht mehr der Dealer, Drogen bringt die Post. Dieser Schluss lässt sich aus dem Lagebild Rauschgiftkriminalität ziehen, das das Bundeskriminalamt (BKA) am Mittwoch vorgestellt hat. „Der Postversand von Betäubungsmitteln ist eine unmittelbare Folge des zunehmenden Onlinehandels mit Rauschgift“, berichtet das BKA. Die Zahl der erfassten Fälle, in denen Drogen per Post verschickt wurden, hat um 50 Prozent zugenommen.

Wie das in der Praxis funktioniert zeigt das Beispiel eines 29-jährigen deutschen Dealers mit Wohnsitz in den Niederlanden. Ihm war die Polizei im November 2017 auf die Schliche gekommen, weil er auf mehreren Darknet-Marktplätzen aktiv war, die Internetpolizisten unterwandern konnten. Bei Wohnungsdurchuschungen wurden über 70 Kilo Betäubungsmittel sowie erhebliche Mengen Bargeld in Deutschland und in den Niederlanden sichergestellt. „Die Belieferung der vornehmlich in Deutschland wohnhaften Rauschgift-Abnehmer war nahezu täglich durch den Postversand in einer Größenordnung von teilweise mehreren Kilogramm aus dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet erfolgt sowie durch persönliche Übergaben der Betäubungsmittel im gesamten Bundesgebiet“, erläutert das BKA.

Darknet bietet Plattformen

Drogenhandel im Internet – das liegt im Trend. Das anonyme Dark-Net bietet den Tätern vermeintlichen Schutz. „Der Handel mit Rauschgift im Internet hat sich mittlerweile als fester Vertriebsweg für Drogen in Deutschland etabliert“, schreibt das BKA. Der starke Anstieg solcher Fälle in der Statistik des BKA ist allerdings auch darauf zurückzuführen, dass die Polizei technisch aufrüstet und mit eigenen Spezialisten gezielt im Darknet ermittelt. So konnten mit „Alphabay“ und „Hansa Market“ im vergangenen Jahr zwei große Plattformen ausgeschaltet werden.

„Rauschigtkrinimalität ist ein Kontrolldelikt“, hat auch Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke bei der jüngste Vorstellung der Fallzahlen für Brandenburg eingeräumt. Sprich: Wenn mehr kontrolliert wird, steigt die Zahl der Drogendelikte. Hat die Polizei anderes zu tun, sieht die Statistik besser aus.

Mehr Kokain auf dem Markt

Für das Jahr 2017 weist das Lagebild des BKA einen Anstieg der Rauschgiftkriminalität um 9,2 Prozent aus. Die Wahrheit dahinter ist, dass die Verfügbarkeit von Drogen in Deutschland höchst wahrscheinlich weiter zugenommen hat. Das belegen etwa die enormen Kokain-Funde, vor allem in den Containerhäfen an der Nordsee. Über acht Tonnen Kokain hat die Polizei 2017 in Deutschland beschlagnahmt, ein Vierfaches der Mengen aus dem Vorjahr.

Auch in anderen europäischen Staaten kam es zu Sicherstellungen mit teils erheblichen Mengen. Drei Viertel davon kommt nach wie vor aus Kolumbien. „Die Tatsache, dass die südamerikanischen Rauschgifthändlerorganisationen Einzellieferungen in diesem Umfang verschiffen und damit ein hohes Risiko im Falle einer Sicherstellung in Kauf nehmen, belegt die hohe Verfügbarkeit von Kokain in den Herkunftsstaaten“, schätzt das BKA ein. Es ist davon auszugehen, dass trotz der Rekordfunde weiterhin größere Mengen Kokain in Deutschland ankommen.

Crystal bleibt Lausitzproblem

Ein weiterhin vor allem die Lausitz betreffendes Problem bleibt Crystal Meth. Die Zahl der Delikte bleibt deutschlandweit in etwa gleich. Betrachtet man die Tatorte auf einer Karte wird aber deutlich, dass Sachsen und Südbrandenburg weiter der Hauptabsatzmarkt für die künstliche Droge aus tschechischen Drogenküchen ist. Es lässt sich allerdings beobachten, dass sich Crystal weiter ausbreitet, entlang der Autobahnen bis nach Hessen und Niedersachsen.

Die Zahl der beschlagnahmten Mengen an Crystal ist deutlich gestiegen, allerdings hängt das weniger mit dem Konsum in Deutschland zusammen. Die größten Funde wurden an den Flughäfen, vor allem in Leipzig, gemacht und waren für das Ausland bestimmt.

Die meist konsumierte Droge in Deutschland bleibt übrigens Cannabis. Drei Viertel aller Konsumdelikte weist die Statistik dafür aus. Zu beobachten ist ein Rückgang der Plantagen, auf denen Cannabis gezogen wird. Allerdinsg nehmen die Mengen zu. Nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ist vor allem Brandenburg das – illegale – Hauptanbaugebiet.