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| 19:46 Uhr

Panorama
Drama im Herzen von Paris

 Feuerwehrleute versuchen, das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame zu löschen. Über Stunden schlugen am Montagabend Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl des Wahrzeichens der französischen Hauptstadt, über dem monumentalen Sakralbau war eine riesige Rauchsäule zu sehen.
Feuerwehrleute versuchen, das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame zu löschen. Über Stunden schlugen am Montagabend Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl des Wahrzeichens der französischen Hauptstadt, über dem monumentalen Sakralbau war eine riesige Rauchsäule zu sehen. FOTO: dpa / Michael Euler
Paris. Menschen stehen entsetzt auf den Pariser Brücken, über der Innenstadt liegt eine riesige Rauchschwade. Aus der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame schlagen meterhohe Flammen. Was wird von der gotischen Kirche bleiben? Von Christian Böhmer und Julia Naue

Wieder Alarm in Paris. Überall Sirenen, überall Polizei und Feuerwehrfahrzeuge. Notre-Dame, die berühmte Kathedrale im Herzen der französischen Hauptstadt, brennt lichterloh. Eine riesige Rauchsäule steht über dem Wahrzeichen, Flammen schlagen aus dem Dachstuhl. Passanten sprechen von einer Katastrophe. Der kleine Spitzturm auf dem Dach des monumentalen Bauwerks stürzt einfach in sich zusammen. Durch die Menschenmenge an den Ufern der Seine geht ein Raunen. Wie schwer der Brand die Kirche zerstört hat, und was noch zu retten ist – in Paris fürchtet man das Schlimmste. Der Feuerwehrchef kann am Tag danach zumindest etwas Hoffnung machen.

Millionen Touristen besuchen jährlich Notre-Dame

Das Feuer brach am Montagabend aus, es war ein sonniger Frühlingstag in Paris. Notre-Dame ist eine der Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen Menschen besucht, die vor dem Bauwerk Schlange stehen. Die Kathedrale steht auf der Île de la Cité – eine Insel in der Seine und das historische Herz der Stadt.

Hunderte Passanten drängen sich am Abend auf den Brücken über dem Fluss, um Fotos vom Feuer zu machen. Nur wenige Autos kommen überhaupt noch durch. Polizisten riegeln nach und nach die Brücken und das gesamte Gelände um die Kirche ab – und verscheuchen Schaulustige recht harsch. Auf einer Straße nahe der Kirche singen am Abend Dutzende Menschen „Ave Maria“. Sie knien, stehen – singen im Chor, einige haben einen Rosenkranz in der Hand. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sagt, sie habe den Rauch von ihrem Bürofenster aus gesehen. Es sei ein Drama für die ganze Welt, klagt sie. Notre-Dame sei ein Symbol der Pariser Geschichte, ein Symbol der Freiheit. Der Sprecher des Wahrzeichens, André Finot, sagt, er habe eigentlich gar keine Worte. „Schrecklich“ sei das einfach nur – er sei schockiert. Man könne diese alte Dame nicht einfach im Stich lassen, betont der Rektor der Kathedrale, Patrick Chauvet, trotzig.

 Auf dem unteren Foto ist Notre-Dame so zu sehen, wie die Kathedrale vor dem Brand aussah. Auf dem oberen Foto fehlt dem Kirchen-Längsschiff das komplette Dach, und der kleine Spitzturm ist ins Kircheninnere gestürzt. Auch dort ist einiges zerstört.
Auf dem unteren Foto ist Notre-Dame so zu sehen, wie die Kathedrale vor dem Brand aussah. Auf dem oberen Foto fehlt dem Kirchen-Längsschiff das komplette Dach, und der kleine Spitzturm ist ins Kircheninnere gestürzt. Auch dort ist einiges zerstört. FOTO: dpa / Bernd Thissen

Und dann gibt es doch ein bisschen Hoffnung mitten in der Nacht: „Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist“, sagt der Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Das Feuer wütet zu diesem Zeitpunkt allerdings weiter. In der Pariser Dunkelheit lodern die Flammen feuerrot. Scheinwerfer beleuchten das monumentale Bauwerk.

Vermutlich sind Bauarbeiten die Brandursache

Die französische Hauptstadt und das ganze Land waren in den vergangenen Jahren von einer islamistischen Terrorwelle getroffen worden. Die Terrorfrage stellte sich auch jetzt wieder – schließlich war auch Notre-Dame ein potenzielles Ziel von Attentätern. Die Polizei geht aber bislang nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Auf dem Dach der Kathedrale stand ein riesiges Gerüst. Bauarbeiten könnten die Ursache für den verheerenden Brand sein, lauten erste Vermutungen. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.

Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Haupttürmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen historischen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur.