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"Dr. Made" will Kölner OB werden

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Zur Person. Deutschlands berühmtester Kriminalbiologe ist stark tätowiert und trägt Springerstiefel. Als Haustiere hält er sich Madagaskar-Fauchschaben. dpa/sm

Gestatten: "Dr. Made" alias Mark Benecke.

Der 44-jährige Paradiesvogel hegt politische Ambitionen: Er kandidiert für das Amt des Oberbürgermeisters in seiner Heimatstadt Köln. Mit der Satirepartei Die Partei tritt Benecke bei der Wahl am 13. September für den Spitzenposten in Deutschlands viertgrößter Stadt an. "Einer muss es ja machen", sagt er.

Bislang galt Beneckes Vorliebe dem Tod in seinen besonders dunklen Facetten. Seine Kandidatur sieht er aber nicht im Widerspruch, sondern als logische Fortsetzung: "Der Verfall der Stadt reizt mich. Wo früher das Stadtarchiv war, ist jetzt ein stinkender Algenteppich. Im Sumpf blühen bekanntlich die schönsten Blüten - die Farben und Formen des Zwielichts." Er sieht sich in der Tradition von Batman, schließlich sei Köln wie Gotham City "eine dieser Städte, die vom Klüngel zersetzt werden".

Seine Kandidatur ist auf den ersten Blick ein großer Spaß: "Ich gehe mit Glasperlen auf Wählerfang. Die glitzern besonders schön. Wir sind die einzige ehrliche Partei. Wir blenden die Leute zwar wie die anderen Parteien auch, aber eben ganz offensichtlich." Das Wahlprogramm schwankt zwischen Satire und Klamauk: "Karneval im Sommer", "stilettogerechtes Straßenpflaster", "die Verlegung des Kölner Hauptbahnhofs unter den Kölner Dom - K 21" und "Hanfanbau am Militärring". Alte Feindbilder werden gepflegt: "Düsseldorf wird eingemauert, wenn ich OB werde."

Einen politischen Dauerbrenner in der Domstadt möchte Benecke dagegen rasch beenden: "Die U-Bahn baue ich selber zu Ende, weil das einfach schneller geht." "Mit seinen abstrusen Forderungen nimmt er die etablierten Parteien aufs Korn und bringt Feuer in den Wahlkampf", sagt der Kölner Politikwissenschaftler Prof. Frank Überall. "Ich finde den Ansatz ganz spannend. Er ist als Außenseiter ein amüsanter Stachel, durchaus reflektiert und gibt Denkanstöße. Die Abgründe des politischen Lebens in Köln sind real." Benecke "lenkt den Blick auf die Gefahr der Käuflichkeit der Politik".