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| 19:16 Uhr

Lausitzer Rundschau in ZDF-Doku
Digitalisierung: Was bedeutet das für Zeitungshäuser?

Mainz. Wenn sich alle nur noch über Facebook und Twitter informieren, was bedeutet das für Zeitungshäuser? Eine Doku im ZDF bietet Einblicke in eine Branche im Wandel – mit dabei die Lausitzer Rundschau. Von Christine Keilholz

Die Reise durch die darbende Zeitungslandschaft beginnt morgens um fünf in der Lausitz. Die Austrägerin der Lausitzer Rundschau muss immer weniger tragen. An immer mehr Briefkästen geht sie vorbei. Die ZDF-Autoren Nina Freydag und Wulf Schmiese haben sie begleitet für ihre Reportage „Zeitungen in Not. Was ist uns Journalismus noch wert?“ Sie besuchen die Kollegen in der Themenkonferenz, um zu hören, wie das so ist für einen kleinen Verlag mit einer Auflage von 71 000 Exemplaren in einer Region, aus der sonst kaum andere Medien aus erster Hand berichten.

Und dann geht es weiter in die USA zur „Washington Post“, der Fackel des investigativen Journalismus in der Metropole der westlichen Welt. Eine Fackel, die flackert, weil ihr Google und Facebook den Atem nehmen. Die Sorgen der Zeitungsmacher sind die gleichen in der Straße der Jugend wie in der US-Hauptstadt.

Das Internet hat viele Branchen grundlegend verändert. Am augenfälligsten sind diese Veränderungen in der Medienbranche. Das Gros der Werbeeinnahmen landet inzwischen bei den Internetkonzernen. Viele junge User finden den Weg zu regionalen Zeitungsinhalten nur noch über Suchmaschinen. Seit der Jahrtausendwende, als die Auflagen der Zeitungen zu sinken begannen, fragen sich Verleger, wie Qualitätsjournalismus in der digitalen Gegenwart funktionieren kann.

Wenn das einer weiß, dann Mathias Döpfner. Der 55-jährige Vorstandsvorsitzende von Axel Springer ist der Platzhirsch in der deutschen Zeitungslandschaft und nebenher Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger. Doch auch er kann auf diese Frage momentan nur Szenarien entwickeln. „Wenn dauerhaft Journalismus ein Kostenfaktor, aber kein wirklich gesundes Geschäftsmodell ist“, sagt Döpfner im Film, „dann wird es ihn in dieser Form nicht mehr geben – und das ist gefährlich.“ Den Verlust hat er im eigenen Haus. Das Flaggschiff des Axel-Springer-Konzerns, die „Bild“, druckt täglich nur noch 1,6 Millionen Exemplare – 1998 waren es drei Mal so viele.

Jahrelang galt als schick, wer seine Informationen „aus dem Internet“ bezog. Das klang so schön nach Freigeistigkeit, nach Unabhängigkeit und einem direkten Zugriff auf das Weltwissen. Das war so lange kein Problem, wie die Inhalte von etablierten Medien stammten. Aber spätestens seit den Debatten um „Fake News“ ist auch klar, wie viel Müll durch das Web wabert. Seitdem muss sich das Publikum fragen, ob es bereit ist, alles zu glauben.

Zur Wahrheit gehört, dass die Medien ordentlich mitgewirkt haben am Wertverlust der Nachrichten. Zu lange haben Verlage ihre Stücke kostenlos online verschleudert, bis die Kunden nicht mehr einsahen, warum sie dafür noch zahlen sollen. Eine Bezahlkultur im Nachhinein einzuführen, ist keine leichte Sache. Der Wert des Journalismus muss wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Auch deshalb werden Videos wichtiger, auch für die Lausitzer Rundschau. „Wir möchten den Unterschied machen“, sagt Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer, „wir wollen zeigen, wie arbeiten Journalisten professionell.“ Die Kurzclips auf Instagram sind ein Angebot an die Zielgruppe um die 30 Jahre, die das Zeitunglesen völlig verlernt hat.

Aber Freydag und Schmiese singen den Zeitungen nicht einfach ein neues Totenlied. Sie zeigen auch deren Wert für das öffentliche Leben, für Diskurs und Demokratie. Sie zeigen Verlage, die sich Neues einfallen lassen, um ihre Rolle für Gesellschaft und Demokratie weiter spielen zu können. Womit die Medien übrigens nicht allein dastehen. Auch die Autobranche muss überlegen, was sie tut, wenn der Verbrennungsmotor endgültig vom Elektromotor überholt wird. Die Hersteller von Fototechnik brauchen neues Leben, wenn alle Welt mit dem Smartphone knipst. Kein Erfolgsprodukt ist ewig vorn.

Die Sendung ZDFzoom „Zeitungen in Not – Was ist uns Journalismus noch wert?“ von Wulf Schmiese und Nina Freydag läuft am Mittwoch, 4. Juli, um 22.45 Uhr im ZDF.