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Die Lausitz „Am Fenster“

Nicht nur der Kulthit „Am Fenster“ wurde in der Stadthalle Cottbus gefeiert, sondern auch das neue Album „Das Blut so laut“, das City vor Kurzem als zwölftes Studioalbum veröffentlicht hat.
Nicht nur der Kulthit „Am Fenster“ wurde in der Stadthalle Cottbus gefeiert, sondern auch das neue Album „Das Blut so laut“, das City vor Kurzem als zwölftes Studioalbum veröffentlicht hat. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. City feiert in der Cottbuser Stadthalle mit ihren Fans das Jubiläum einer Hymne. Jenny Theiler

Es gibt verschiedene Arten von Geburtstagen, die es wert sind, gefeiert zu werden. Es kommt jedoch nicht allzu häufig vor, dass ein Lied im Mittelpunkt eines Jubiläums steht. Durchaus ungewöhnlich aber angesichts der Bedeutung, die das Stück "Am Fenster" für so viele Menschen in Deutschland hat, scheint die Jubiläumstour von City keineswegs seltsam, sondern völlig angemessen und fast schon selbstverständlich. Am Freitagabend feierten die Lausitzer City-Fans in der Stadthalle Cottbus 40 Jahre "Am Fenster" und wurden für ihre Treue mit einem Jubiläumskonzert der Extraklasse belohnt.
Ein kleines technisches Problem zu Beginn des Konzertes sorgte für einen etwas missglückten Einstieg in den Abend. Um die Wartezeit zu überbrücken, unterhielt Toni Krahl spontan das Publikum mit einem Lied von Wolfgang Ambros "Mir geht es wie dem Jesus". Durch den professionellen Umgang Toni Krahls mit dieser Situation gelang es der Band mit Humor, Professionalität und jahrzehntelanger Bühnenerfahrung das Publikum nicht schon zu Beginn des Konzertes zu verlieren - eine meisterliche Leistung, angesichts der zu Beginn etwas zurückhaltenden Fans in der Cottbuser Stadthalle. Diejenigen, die es nicht gewohnt sind bei einem Rockkonzert zu sitzen, erhoben sich bereits nach dem zweiten Song und nutzten das bestuhlte Parkett zum Tanzen.
Als musikalische Unterstützung und besondere Überraschung spielte Nicolai Gogow, Sohn des City-Geigers Georgi Gogow, das zweite Schlagzeug an diesem Abend. Der 45-jährige wurde im Gründungsjahr der Band geboren und wurde, wie auch wie viele jüngere Besucher aus dem Publikum, durch Citys Musik nachhaltig geprägt.
Doch nicht nur "Am Fenster" wurde an diesem Abend gefeiert, sondern auch das neue Album "Das Blut so laut", das vor Kurzem als zwölftes Studioalbum der Berliner Rockband veröffentlicht wurde. Mit einer brillanten Symbiose aus geistreichen Texten, vertrauten musikalischen Elementen und bekannten Songs beweisen City zum wiederholten Male die Treue zu sich selbst und die gleichzeitige Weiterentwicklung ihrer Musik. Die Verschmelzung aus Zeitlosigkeit und künstlerischem Fortschritt ist Citys Markenzeichen und spiegelt sich besonders gut am neu interpretierten Song "Unter der Haut 2.0" aus dem Jahr 1983 wieder. Mit alter Melodie und einem neuen, an die heutige Zeit angepassten Text erreichen City künftig auch die jüngeren Fans, die auf dem Parkett begeistert mittanzten.

Auch die Fans der ersten Stunde kamen auf ihre Kosten, wenn sie bei "Casablanca" (1987), "Lieben und Liebenlassen" (1997), "Flieg ich durch die Welt" (2002) und "Sommerherzen" (2007) lautstark mitsangen.
Nach zwei Stunden wollte das Publikum die Band noch immer nicht gehen lassen, trotz Toni Krahls scherzhafter Anmerkung: "Wir müssen doch wieder zurück ins Heim! Aber solange wir ordentlich unsere Tabletten nehmen, geht das schon irgendwie." Getreu dem Motto ,das Beste kommt zum Schluss' endete der Abend mit einer extralangen Version von "Am Fenster" inklusive des traumhaften Instrumentalsolos von Georgi Gogow.
Im Anschluss an das Konzert gab es noch eine ausgiebige Autogrammstunde. Fans jeder Altersklasse nutzten die Wartezeit, um sich kennenzulernen und den Abend auszuwerten. Daniela Dübler aus Krauschwitz hat City vor 15?Jahren für sich wiederentdeckt und mittlerweile mehr als 20?Konzerte besucht.
Auch Elke Jacobs hört City seit ihrem 14. Lebensjahr. "Wir waren ja alle so verliebt in Toni", gestand die 58-jährige und erinnert sich ganz besonders gern an ein Konzert in Werben Anfang der 70er-Jahre.
Anke und Hardy Pazzig waren gegenüber dem Veranstaltungsort etwas voreingenommen und befürchteten eine gehemmte Stimmung in der Stadthalle. Erst kurz vor Konzertbeginn entschlossen sich die langjährigen Fans, doch noch zwei Karten zu kaufen. "Die neue CD ist einfach so toll", erklärte Anke Pazzig und freute sich zusammen mit zahlreichen anderen Fans über einen gelungenen Abend.