| 02:43 Uhr

Die Deutschen werden immer älter

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter.
Die Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter. FOTO: dpa
Wiesbaden. Die Lebenserwartung in Deutschland steigt und steigt. Zugleich bleiben die Menschen länger gesund. Dennoch sehen Experten Risiken. Ira Schaible

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Neugeborene Mädchen haben inzwischen eine Lebenserwartung von fast 83 Jahren, Jungen von nahezu 78 Jahren. Das sind bei den Jungen sechs und bei den Mädchen fast fünf Jahre mehr als noch vor rund 25 Jahren, wie die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ergaben.

Damit liegt Deutschland zwar ungefähr im EU-Durchschnitt, es gibt aber noch immer deutliche Unterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Wieso werden wir eigentlich immer älter? Ist ein Ende in Sicht?

Rembrandt Scholz vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock sieht noch kein Zeichen für eine Stagnation. "Der Trend wird sich auf diesem hohen Niveau fortsetzen." Und: Es werde immer mehr Lebenszeit bei Gesundheit verbracht. "Wir gewinnen im statistischen Mittel zwei, drei Jahre pro Jahrzehnt", sagt Stephan Sievert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. "Die Gründe dafür haben sich aber im Laufe der Zeit verändert." In den 1970er-Jahren seien es vor allem die erfolgreiche Bekämpfung von Infektionskrankheiten und ein Rückgang der Sterblichkeit von Säuglingen und Kindern gewesen. In den vergangenen Jahren dagegen sei vor allem die Überlebenswahrscheinlichkeit Älterer gestiegen. "Das hat viel mit Lebensstil zu tun, mit Prävention und mit der Bekämpfung chronischer Krankheiten."

"Wir werden nicht nur älter, sondern dies auch mit höherer Lebensqualität", sagt Ralf-Joachim Schulz von der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (Altersheilkunde). "Vor zehn Jahren haben wir die Altersgrenze für geriatrische Patienten zwischen 70 und 75 Jahre gesetzt." Inzwischen seien solche Patienten im Schnitt zehn Jahre älter. "Wir sind auf dem Gebiet der Prävention auf einem guten Weg." Eine effektivere Früherkennung von Krankheiten - von Kindesbeinen an - und besseren Arbeitsschutz nennt der Kölner Chefarzt als Beispiele.

"Wir sind allerdings auch gleichzeitig dabei, vieles davon wieder zunichtezumachen", mahnt Schulz. "Wir altern zwar, obwohl wir rauchen, aber wir erkaufen uns das mit einem hohen medizinischen Einsatz." Die Lebenserwartung werde sicherlich weiter steigen, aber voraussichtlich gebremster. Dazu trage auch Fettleibigkeit bei. Adipöse Eltern könnten Studien zufolge genetische Veränderungen mitbewirken, nach denen ihre Kinder auch stark übergewichtig würden.

"Wir wissen nicht, ob die steigende Lebenserwartung ein Dauertrend ist", sagt der Medizinsoziologe Siegfried Geyer aus Hannover. "Wir kennen die maximale biologische Lebenserwartung nicht." Vor 100, 150 Jahren habe die Wissenschaft noch angenommen, dass diese bei 60 bis 70 Jahren liege.

Zum Thema:
Im internationalen Vergleich gehören die Deutschen nicht zu den Top Ten. Mit 84 Jahren werden die Japaner insgesamt am ältesten. Frauen erreichen dort ein Durchschnittsalter von 87, Männer von 80 Jahren. Hinter den Japanerinnen leben die Einwohnerinnen Spaniens, Singapurs und der Schweiz am längsten: 85,1 Jahre. Ein 2012 geborenes Kind wird laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Durchschnitt sechs Jahre älter als ein Mensch, der 1990 zur Welt kam. Schlusslichter sind afrikanische Länder: Sierra Leone (46 Jahre), Lesotho (50), Angola, der Tschad sowie die Zentralafrikanische Republik (jeweils 51).