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Dichterlesungen statt Fernsehrollen

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Zur Person. Schon mit zwölf Jahren begleitete Christian Quadflieg seinen Vater Will (1914-2003) ins Hamburger Schauspielhaus, um ihn auf der Bühne zu bewundern: "Von Schillers ,Don Carlos' mit Gustaf Gründgens als König Philipp und meinem Vater als Marquis Posa habe ich alle 36 Vorstellungen gesehen", erinnert sich Quadflieg. "Für die schulischen Leistungen war das sicher nicht förderlich", schmunzelt der Mime, der heute 70 Jahre alt wird. dpa/sm

Für ihn habe kein Zweifel bestanden, dass er auch Schauspieler werden wollte. Obwohl der berühmte Vater ihn gewarnt hatte: "Auf der Bühne bist du alleine. Da nützt es dir nichts, dass du mein Sohn bist." Als er bei der Aufnahmeprüfung an der Bochumer Schauspielschule zunächst durchfiel, brach für ihn eine Welt zusammen. "Aber dann hat es ja doch noch geklappt!"

Nach Engagements in Oberhausen, Wuppertal und Basel machte sich der gut aussehende junge Mann mit den dunklen Haaren und den braunen Augen selbstständig und spielte seit 1974 in Hamburg, Berlin, München und Wien bald selbst große Klassiker-Rollen. Der Regisseur Fritz Umgelter, mit dem Quadflieg insgesamt 16 Filme drehte, entdeckte ihn fürs Fernsehen und wollte ihn unbedingt für die Hauptrolle in dem Vierteiler "Die unfreiwilligen Reisen des Moritz August Benjowski". Auftritte in Krimiserien wie "Derrick", "Ein Fall für zwei" und "Der Alte" machten Quadflieg einem Millionen-Publikum bekannt.

Große Popularität errang Quadflieg mit der Titelrolle in der erfolgreichen ZDF-Fernsehserie "Der Landarzt" (ab 1986). In 40 Folgen praktizierte er in einem kleinen schleswig-holsteinischen Dorf und kümmerte sich verständnisvoll nicht nur um die gesundheitlichen Probleme der Menschen. Nach dem Studium der ersten 13 Drehbücher hatte ihn seine Ehefrau, die Schauspielerin Renate Reger, mit der er seit 1974 verheiratet ist, mit den Worten "Mach es!" ermutigt.

Den Abschied von der Serienwelt nahm Quadflieg bereits 2001. Seit Jahren tourt er dafür mit seinen Dichterlesungen mit Texten von Schiller, Heine oder Kästner quer durch Deutschland. "Manche kommen, weil sie ,den Typen aus dem Fernsehen' mal live erleben wollen."