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| 19:21 Uhr

Auto-Diebstahl
Der Trick mit dem Dublettenfahrzeug

Autodiebe gehen immer raffinierter zu Werke, um möglichst viel Profit aus gestohlenen Fahrzeugen herauszuschlagen.
Autodiebe gehen immer raffinierter zu Werke, um möglichst viel Profit aus gestohlenen Fahrzeugen herauszuschlagen. FOTO: Fotolia
Wiesbaden/Cottbus. Autos, die in der Lausitz gestohlen werden, landen häufig in Osteuropa. Manche kommen aber auch zurück. Die neueste Masche der Autoklau-Mafia. Von Bodo Baumert

Heute gestohlen, morgen in Polen – ja, die alte Binsenweisheit trifft immer noch zu. Doch längst ist Polen nicht mehr das eigentliche Ziel der Autoklau-Mafia. Die illegalen Vertriebswege der hoch professionellen Banden gehen weiter, bis „in weiter entfernte Regionen Zentralasiens, darunter Tadschikistan und Usbekistan“. So berichtet es das Bundeskriminalamt (BKA) in seinem am Dienstag veröffentlichten „Bundeslagebild Kfz-Kriminalität 2017“. Darin geben die Ermittler einen Überblick über die neuesten Trends und Methoden der Gangster.

„Die Überwindung von elektronischen Sicherungseinrichtungen, der Fahrzeugtransport, die Zerlegung der Fahrzeuge, die Fälschung von Fahrzeugpapieren sowie der Weiterverkauf erfordern eine umfassende Logistik“, so die Einschätzung des BKA zu den Strukturen der Banden. Diese sind in der Regel perfekt Arbeitsteilig organisiert. Aus dem Ausland werden Bestelllisten geliefert und von gut ausgebildeten Technikern ausgeführt. Diese geben die geknackten Autos an billig angeworbene Kuriere, die die Autos über die Grenze nach Polen schaffen sollen. Das ist der heikle Teil der Operation. Dort gelingt es der Polizei regelmäßig, Täter zu schnappen.

Allerdings wissen diese nur wenig über den Rest der Bande, die in aller Ruhe im Hintergrund arbeitet, sich um das Zerlegen der Autos, den weiteren Vertrieb und die Logistik kümmert.

Neuester Trend ist das produzieren von Dublettenfahrzeugen. „Dabei werden die Fahrzeugidentifizierungsnummern (FIN) der gestohlenen Wagen gefälscht. Verwendet werden hierfür gestohlene Originale ausländischer Blanko-Dokumente. So entsteht eine Dublette, die den Anschein erweckt, es handele sich um einen regulären Gebrauchtwagen“, erläutert das BKA. So können geklaute Fahrzeuge aus Westeuropa wieder auf dem deutschen Markt zum Verkauf als Gebrauchtwagen angeboten werden – was den Erlös gegenüber Verkäufen in Osteuropa oder Afrika deutlich steigert.

Ein Beispielfall aus dem vergangenen Jahr: Das BKA hat eine international agierende Tätergruppierung auffliegen lassen. „Der Gruppierung wird vorgeworfen, hochwertige Kfz im europäischen Ausland entwendet, nach Serbien verschoben, dort die FIN verfälscht, anschließend auf verschiedenen Wegen in Deutschland zugelassen und an Dritte veräußert zu haben“, so das BKA. 14 solcher Dublettenfahrzeuge mit verfälschter Fahrzeugidentifizierungsnummer (FIN) konnten sichergestellt werden. Wegen weiterer Fälle wird noch ermittelt. Im Fokus der Autoklau-Mafia stehen weiterhin vor allem hochpreisige Fahrzeuge. Vergleicht man die Zahl der geklauten Autos mit den hierzulande angemeldeten Fahrzeugen der entsprechenden Marken, dann liegen Land-Rover, Porsche und Audi auf der Hitliste der Täter ganz oben. Stark angestiegen ist der Anteil von Mazda und Toyota, was laut BKA vor allem auf SUV der entsprechenden Marken zurückzuführen ist.