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Der erste Deutsche im All wird 80

Sigmund Jähn startete im August 1978 mit dem sowjetischen Raumschiff Sojus 31 zur Raumstation MIR.
Sigmund Jähn startete im August 1978 mit dem sowjetischen Raumschiff Sojus 31 zur Raumstation MIR. FOTO: ZB/Zentralbild/dpa
Strausberg/Morgenröthe-Rautenkranz/Potsdam. Kosmonaut Sigmund Jähn umkreiste 125 Mal die Erde – und blieb bescheiden. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigt ihn als "Helden mehrerer Generationen". Gudrun Janicke

Der erste Deutsche im All war ein DDR-Bürger. Mit der Rakete "Sojus 31" startete Sigmund Jähn am 26. August 1978 vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus, gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski (heute 82). Sieben Tage, 20 Stunden und 49 Sekunden blieb er im All. Heute feiert Jähn nun seinen 80. Geburtstag - ganz privat. Für größere Aktionen fehle ihm einfach die Zeit und auch die Stimmung, teilte er mit.

Bei seinen seltenen öffentlichen Auftritten vor allem in Ostdeutschland ist er regelmäßig von Autogrammsammlern umlagert. Sein Flug machte den Oberstleutnant der DDR-Volksarmee über Nacht in der sozialistischen Welt berühmt. Der Arbeiter- und Bauerstaat war nun Raumfahrernation. Den Namen seines Geburtsortes Morgenröthe-Rautenkranz im sächsischen Vogtland kannte fortan jedes DDR-Schulkind.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat den Raumfahrer Sigmund Jähn zu dessen 80. Geburtstag als "Helden mehrerer Generationen" gewürdigt. Als erster Deutscher im Weltall habe Jähn mit seinem historischen Flug von 1978 bei Jung und Alt die Begeisterung für ferne Welten entfacht, erklärte Woidke am Sonntag in Potsdam. "Sie wurden zu einem der bekanntesten Gesichter nicht nur in der DDR, sondern in ganz Deutschland und sind es bis heute."

Jähn sei bei dem "ganzen Rummel danach" stets bescheiden geblieben, betonte Woidke. "Das hat Ihnen bei vielen Ostdeutschen noch größere Sympathien und noch mehr Respekt eingebracht." Erst 1983 folgte als zweiter Deutscher Ulf Merbold aus dem Westen. Er war als einziger Deutscher dreimal im All. Der Astronaut Merbold und der Kosmonaut Jähn sind seit Jahren befreundet. "Wir teilen gemeinsam die Erfahrung, dass man in 90 Minuten den Erdball umrundet und von dort oben keine Grenzen mehr sieht", sagt der 75-jährige Merbold. "Und wir beide stammen aus dem Vogtland." Jähn aus dem sächsischen Teil, er aus dem thüringischen Greiz.

Sigmund Jähn sei als Jagdflieger der DDR-Volksarmee für den Weltraumflug ausgewählt worden, berichtet Merbold. Er selbst sei 1960 nach Westberlin gegangen, weil er in der DDR nicht Physik studieren durfte. Später sei er als Wissenschaftler zur Weltraummission gestartet.

"Eine Woche lang ging die Sonne an einem Tag sechzehn Mal auf und sechzehn Mal unter", schrieb Jähn wenige Jahre nach dem Flug ("Erlebnis Weltraum", 1983).

Auf die Folgen der Schwerelosigkeit wollte sich Jähn besonders gut vorbereiten. Unter die vorderen Beine seines Ehebettes legte er Bücher, damit er sich an den Blutandrang im Gehirn gewöhnen konnte, schrieb er in seinem Buch. Seine Frau zeigte zwar Verständnis für den Eifer. Zur "Schlafschanze" durfte er aber nur sein Bett machen.

125 Mal umkreiste Jähn den Planeten. An Bord erledigte er zahlreiche Experimente und machte Aufnahmen von der Erde mit der Multispektral-Fotokamera MKF-6 aus Jena. Er hatte auch den Status eines "Angestellten der Deutschen Post im Weltraum": Mit einer für das All geeigneten Apparatur stempelte er Sonderpostwertzeichen ab.

An Bord durfte er nur ein Kilogramm persönliches Gepäck mitnehmen. In Erinnerung an seine vogtländische Heimat nahm er eine Postkarte von Markneukirchen mit. Außerdem hatte er offizielle Mitbringsel für seine Mit-Kosmonauten dabei, wie das Kommunistische Manifest und Goethes "Faust", aber auch die Figur des Fernseh-Sandmännchens.

Am 3. September 1978 landeten Jähn und Bykowski mit einer Kapsel wohlbehalten in der kasachischen Steppe. Er habe sich nie als Held gefühlt, sagt Jähn später.

An den Weltraumflug vor fast 40 Jahren erinnert heute die Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz.

Nach der Wende und der Abwicklung der DDR-Volksarmee wurde der Kosmonaut arbeitslos. Sein Freund Merbold brachte ihn beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter. Später bildete er im Sternenstädtchen europäische Astronauten aus.

Jähn lebt heute in Strausberg bei Berlin. Auf die Frage, ob er noch einmal ins All fliegen würde, hatte er zum "75." gesagt: "Sofort".

1983 hat Jähn sein Weltraumerlebnis in einem Buch veröffentlicht.
1983 hat Jähn sein Weltraumerlebnis in einem Buch veröffentlicht. FOTO: dpa