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| 20:05 Uhr

Berlin
Legalisierung als „Schritt in die falsche Richtung“

Umstrittener Genuss: Marlene Mortler bleibt in der Diskussion um die Legalisierung von Cannabis bei ihrer entschiedenen Ablehnung. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung stellte den aktuellen Drogenbericht vor.
Umstrittener Genuss: Marlene Mortler bleibt in der Diskussion um die Legalisierung von Cannabis bei ihrer entschiedenen Ablehnung. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung stellte den aktuellen Drogenbericht vor. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Berlin. Cannabis frei verkäuflich: Das ist keine Option für die Drogenbeauftragte bei der Vorstellung des aktuellen Drogen- und Suchtberichts für Deutschland.

(has) Kanada hat den Konsum von Cannabis legalisiert. Grüne, Linke und FDP finden das gut. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), hingegen, spricht sich bei der Vorstellung des neuesten Drogen- und Suchtberichtes am Donnerstag in Berlin dagegen aus. Die Lage in Deutschland im Überblick:

Wird wieder mehr gekifft? Ja. Seit 2011 steigt der Cannabisverbrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Schätzungen gehen von 400 000 Konsumenten aus. Laut Mortler muss Cannabissucht immer häufiger behandelt werden. Zuletzt gab es demnach fast 34 000 Fälle in ambulanten und stationären Einrichtungen. Kommendes Jahr will Mortler daher ein umfassendes Präventionskonzept vorlegen.

Was spricht gegen Kanada als Vorbild? Die Legalisierung sei „ein Schritt in die falsche Richtung“ und eine „Kapitulation“ vor der steigenden Zahl der regelmäßigen Konsumenten, so Mortler. Deutschland werde am Verbot festhalten, da die erheblichen gesundheitlichen Gefahren nicht ignoriert werden dürften. Auch sei der Wirkstoffgehalt von Cannabis heute anders und stärker als noch vor 20 Jahren.

Was spricht aus Sicht der Befürworter für eine Legalisierung?

„Gebt das Hanf frei“, hat einst Grünen-Urgestein Christian Ströbele gefordert. Nach Ansicht seiner Partei, der Linken und der FDP ist die Legalisierung erforderlich, um Konsumenten zu entkriminalisieren, Polizei und Gerichte zu entlasten. Wie bei allen Genussmitteln gelte auch beim Cannabiskonsum Maß und Mitte, so die Befürworter. Ein kontrollierter Verkauf von Cannabis in lizenzierten Geschäften könne vor allem Jugendliche schützen.

Wie halten es die Deutschen generell mit dem Rauchen?

Die Raucherquote ist bei Erwachsenen seit 2003 um etwa 30 Prozent gesunken, der Anteil rauchender Jugendlicher hat sich um zwei Drittel verringert. Aufklärungskampagnen und Rauchverbote wie in den Kneipen hätten Wirkung erzielt. Laut Drogenbericht gibt es wegen der Langzeitfolgen aber immer noch 120 000 Tabaktote im Jahr. Deshalb will Mortler einen neuen Anlauf für ein Tabakwerbeverbot starten. Der Gesetzentwurf liegt nach Widerstand aus der Union seit zwei Jahren auf Eis. Vor allem Volker Kauder hatte ihn blockiert.

Wovor warnt Mortler noch?

Vor den Gefahren des Passivrauchens im Auto. Für ein Rauchverbot beim Fahren wolle sie sich aber nicht „verkämpfen“. Aufklärung sei eine „schnellere und wirksamere Variante“. Außerdem wechseln viele Raucher auf E-Zigaretten. Es stimme zwar, so die CSU-Frau, dass das „Dampfen“ weniger krebserregend sei. Aber gesundheitlich unproblematisch sei es deshalb nicht.

Wie steht es beim Alkohol?

Getrunken wird nach wie vor viel. Im internationalen Vergleich zählt Deutschland beim Pro-Kopf-Verbrauch zu den Hochkonsumländern. Die gute Nachricht: Bei Jugendlichen sind der riskante Konsum und Rauschtrinken rückläufig.