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| 07:20 Uhr

Update: Bundesregierung prüft Einsatz von Luftwaffen-Airbus nach Busunglück auf Madeira
Mindestens 29 Menschen sterben – vor allem deutsche Touristen

 Der Bus war am Mitwochabend in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen und in eine Schlucht gestürzt. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich bis zum Donnerstagmorgen auf 29.
Der Bus war am Mitwochabend in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen und in eine Schlucht gestürzt. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich bis zum Donnerstagmorgen auf 29. FOTO: dpa / Uncredited
Funchal. Einen Tag nach dem schrecklichen Unfall auf der Atlantikinsel Madeira reist Bundesaußenminister Heiko Maas reist nach Portugal. Die meisten der 29 Opfer Opfer sollen Touristen aus Deutschland sein. Die Bundesregierung prüft den Einsatz eines Rettungsflugzeuges der Luftwaffe. Das Urlaubsparadies steht unter Schock. Die Ermittlungen zur Ursache des verheerenden Unglücks laufen auf Hochtouren. Von Carola Frentzen und Denis Düttmann

Bundesaußenminister Heiko Maas reiste am Mittag auf die portugiesische Insel. Er werde von Ärzten, Psychologen und Konsularbeamten des Auswärtigen Amts begleitet, sagte Maas am Donnerstag kurz vor dem Abflug. Er wolle auf Madeira selbst mit Betroffenen sprechen und den portugiesischen Hilfskräften für ihren Einsatz danken.

Bei dem Busunglück waren am Mittwoch nach offiziellen portugiesischen Angaben 29 Menschen ums Leben gekommen. Die Bundesregierung sagt bisher lediglich, dass der Reisegruppe überwiegend Deutsche angehört hätten. Die genaue Zahl der deutschen Toten will sie erst bekannt geben, wenn alle Angehörigen benachrichtigt sind.

„Noch haben wir keine Gewissheit, wie viele Deutsche unter den Opfern sind“, sagte Maas. Die Botschaft in Lissabon arbeite mit Hochdruck gemeinsam mit den lokalen Behörden an der Aufklärung, der Botschafter sei am Mittag mit einem Team auf Madeira gelandet.

 Rettungsdienste versorgen Verletzte nach einem schweren Busunglück. Die Ermittlungen zur Unfallursache laufen auf Hochtouren.
Rettungsdienste versorgen Verletzte nach einem schweren Busunglück. Die Ermittlungen zur Unfallursache laufen auf Hochtouren. FOTO: dpa / Uncredited

„Es ist erschütternd, dass aus dem Osterurlaub für so viele Menschen eine Tragödie geworden ist“, sagte Maas. „Sie wurden jäh aus dem Leben gerissen oder kämpfen mit schweren Verletzungen.“

„MedEvac“-Einsatz zur Behnadlung von Verletzten

Die Bundesregierung prüft auch den Einsatz eines Rettungsflugzeugs der Luftwaffe zur schnellen Hilfefür die Verletzten. Der Einsatz eines „MedEvac“-Airbus werde sich noch heute entscheiden, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun am Donnerstag in Berlin. „Wir haben den bereits in Bereitschaft gestellt, und wenn es sinnvoll ist und möglich ist, Verletzte mit ihm hierher zu transportieren, dann werden wir ihn zum Einsatz bringen“, sagte Braun. Der Airbus A310 MedEvac ist die fliegende Intensivstation der Bundeswehr. Die Luftwaffe bezeichnet die Maschine als „wichtiges Glied in der Rettungskette zur medizinischen Evakuierung schwer und schwerst verletzter Personen über große Distanzen“.

Schock im Urlaubsparadies – große Anteilnahme

Auf der Ferieninsel saß der Schock am Tag nach dem Unglück tief. „Madeira ist Tradition“ – so steht es in großen Lettern auf der Seite des weißen Reisebusses. Tatsächlich wollten die deutschen Touristen zu einem typisch madeirischen Abendessen, doch der heitere Abend kurz vor Ostern endet in einer Katastrophe: Der Bus stürzt die Böschung hinab, scheint sich mindestens einmal zu überschlagen und wird erst von einem mit roten Ziegeln gedeckten Haus gestoppt. Mindestens 29 Menschen kommen bei dem Unglück auf der portugiesischen Atlantikinsel ums Leben, 27 weitere werden verletzt.

„Mein Gott, ich bin sprachlos“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Caniço, Filipe Sousa. Der Fahrer hat offenbar in einer Kurve die Kontrolle über den Bus verloren, der daraufhin den Abhang hinunter in ein Wohnviertel stürzt. Die Windschutzscheibe ist gesplittert, das Dach fast vollkommen abgerissen. Im Fernsehen ist zu sehen, wie Rettungskräfte Verletzte stützen oder auf Tragen den steilen Hang hinaufbringen. Andere hatten weniger Glück: Leichentücher bedecken die Toten. Im Hintergrund heulen Sirenen.

Bei den Opfern soll es sich um Urlauber aus Deutschland handeln. „Mir wurde gesagt, dass es alles Deutsche sind“, sagt der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa. Eigentlich will der Staatschef gleich an die Unglücksstelle eilen, doch dann entscheidet er sich gegen einen Flug nach Madeira. Die Militärflugzeuge sollen für mögliche Krankentransporte auf das Festland zur Verfügung stehen. „Es ist viel wichtiger, die Verletzten zu retten, als dass der Präsident heute abreist“, sagt er.

Medienberichten zufolge waren die Urlauber im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf dem Weg von ihrem Hotel in ein Restaurant in der Provinzhauptstadt Funchal. „Mit großer Erschütterung haben wir von dem tragischen Busunglück auf Madeira erfahren. Wir müssen leider davon ausgehen, dass Opfer aus Deutschland sind“, twittert das Auswärtige Amt am Mittwochabend. Regierungssprecher Steffen Seibert schreibt: „Entsetzliche Nachrichten erreichen uns aus Madeira. Unsere tiefe Trauer gilt all denen, die in dem verunglückten Bus ihr Leben verloren haben, unsere Gedanken sind bei den Verletzten.“ Die Bundesregierung richtete einen Krisenstab ein.

Spekulationen über Defekt als Unglücksursache

Die Unglücksursache ist bislang noch unklar. Medien berichten, ein mechanisches Problem sei wahrscheinlich der Grund gewesen – entweder ein Bremsausfall oder ein eingeklemmtes Gaspedal. Die Busfirma SAM will bei der Aufklärung helfen. „Es ist unser Wille und unser Bestreben, dass alle Fakten, Gründe und Verantwortlichkeiten des Unfalls ermittelt werden“, heißt es in einer Mitteilung des Verkehrsunternehmens. „Wir werden uneingeschränkt mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten.“

Die wegen ihres milden Klimas bei Urlaubern beliebte „Blumeninsel“ steht nach dem schweren Busunfall unter Schock. Er empfinde große Trauer, sagt der Bischof von Funchal, Nuno Brás. „Ich empfehle jene, die gestorben sind, in die Hände Gottes und sende ihren Familien mein Beileid.“

Die Regionalregierung ordnet eine dreitägige Trauerzeit für die Insel an. Diese gelte von Donnerstag bis Samstag, heißt es in einer Erklärung des Regierungsrats der Autonomen Region Madeira. Demnach werden die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden auf Madeira während der drei Tage auf halbmast gesetzt.

Auch Staatschef Marcelo Rebelo de Sousa kondoliert den Hinterbliebenen und wünscht den Verletzten eine schnelle Genesung. In einer Nachricht an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schreibt er: „In diesem Moment sind Portugal und Deutschland im gemeinsamen Schmerz vereint.“