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| 13:33 Uhr

Bundesgerichtshof
Ärztin siegt gegen Portal

 Die Kölner Dermatologin und Allergologin Astrid Eichhornsieht ihr Persönlichkeitsrecht verletzt und zog vor den  Bundesgerichtshof.
Die Kölner Dermatologin und Allergologin Astrid Eichhornsieht ihr Persönlichkeitsrecht verletzt und zog vor den Bundesgerichtshof. FOTO: Anika von Greve-Dierfeld / dpa
Karlsruhe. Die Daten der Kölner Dermatologin müssen gelöscht werden. dpa

  Eine Niederlage für das Ärztebewertungsportal Jameda und ein Sieg für eine Hautärztin aus Köln: Das Portal muss die Daten der Dermatologin aus seinem Verzeichnis löschen. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag in Karlsruhe. Jameda habe die für Bewertungsportale gebotene Neutralität verlassen, weil es durch sein Geschäftsmodell die Mediziner begünstige, die sich dort Werbeplatz kaufen.

„Wir freuen uns, dass mit der Schutzgelderpressung seitens Jameda nun endlich Schluss ist“, sagte die Anwältin der Medizinerin, Anja Wilkat. Die Betreiber des Portals müssen nun ihre Anzeigenprodukte gemäß der BGH-Vorgaben anpassen und für Gleichbehandlung zwischen zahlenden und nicht zahlenden Ärzten sorgen (Az.: VI ZR 30/17).

Die Kölner Ärztin war gegen ihren Willen auf Jameda geführt worden und musste auf ihrem Profil dort, als sogenannte Nichtzahlerin, Einblendungen der örtlichen Konkurrenz dulden. Die Ärzte hingegen, die als Premiumkunde von Jameda sich gegen Geld ausführlich und mit Foto dort präsentieren, waren bislang vor Werbung von Wettbewerbern auf ihrem Profil geschützt. Dieser Form der Zwei-Klassen-Behandlung erteilte der BGH nun eine deutliche Absage. Auch andere Bewertungsportale müssen nun ihre Geschäftspraxis überdenken. Das Portal reagierte noch am Dienstag prompt und entfernte die beanstandeten Einblendungen. „Nach den uns derzeit vorliegenden Informationen der Bundesrichter besteht kein weiterer Handlungsbedarf“, sagte eine Jameda-Sprecherin.

Ein grundsätzlicher Anspruch, aus solchen Portalen entfernt zu werden, besteht laut BGH weiterhin nicht. An der Grundsatzentscheidung dazu aus dem Jahr 2014 werde ausdrücklich festgehalten, betonte der Vorsitzende Richter Gregor Galke – „solange sich ein Bewertungsportal wie ein neutraler Informationsvermittler verhält“.

Der Erfolg der Ärztin könnte aber nur ein Pyrrhussieg sein, sagt der Mannheimer Datenschutzexperte  Steffen Henn. Sobald Jameda und andere Portale entsprechend reagiert haben, müsste es auch die Kölner Ärztin wieder dulden, dort geführt zu werden.