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Brand im Keller-Labyrinth - Drei Tote in Berliner Schwulenclub

Polizisten stehen in Berlin am Zugang eines Saunaclubs. Foto: Paul Zinken/Archiv
Polizisten stehen in Berlin am Zugang eines Saunaclubs. Foto: Paul Zinken/Archiv
Berlin. Der Saunaclub nannte sich selbst „House of Desire“, was so viel bedeutet wie Haus der Lust. Für gleich mehrere Männer endete ein Besuch dort am Sonntagabend tödlich. Gisela Gross, dpa

Ein Ort der Leidenschaft sollte es sein, ein Treffpunkt für „coole Typen und heiße Jungs“. Im für seine große Schwulenszene bekannten Berliner Bezirk Schöneberg verspricht der Club „Steam Works“ auf seiner Internetseite Spaß und Entspannung. Hinter rot abgeklebten Fensterscheiben gibt es unter anderem Saunen, Dutzende Video-Kabinen und ein Darkroom-Labyrinth. Doch am Sonntagabend kommt es im Untergeschoss des Clubs zu einem Brand. Die dramatische Bilanz: Drei Besucher sterben, einen 48-Jährigen retten Feuerwehrleute schwer verletzt aus dem Gebäude.

Für die Feuerwehr scheint am Tag danach schon klar: Die Sauna war, anders als es zunächst den Anschein haben könnte, nicht das Problem. Den Sauna-Bereich im „Steam Works“ beschreibt Sprecher Sven Gerling als relativ klein - etwa 40 Quadratmeter mache er aus, von insgesamt 2000. Es sei also eher ein Sex- denn ein Saunaclub, mit großen Vergnügungsbereichen. Gebrannt habe es aus noch ungeklärter Ursache in einer abgehangenen Zwischendecke. Ob sich dort Kabel oder Geräte befanden, konnte er zunächst nicht sagen.

Ziemlich sicher ist sich Gerling aber, dass es in Berlin in den vergangenen Jahren keinen vergleichbaren Brand mit mehreren Toten gab. Verhängnisvoll für die Club-Gäste, als es wohl nach 22.00 Uhr zu brennen beginnt, scheint die Lage im Keller gewesen sein: Dichter Rauch breitet sich in den ohnehin dunklen, verwinkelten Räumen aus. Die Luft habe wie üblich in Kellern eher schlecht abziehen können, sagte Gerling. Und dann auch noch das Darkroom-Labyrinth: „Da war es stockdunkel, mit ganz eng gestellten Wänden“, so der Sprecher.

Die drei Leichen finden die Einsatzkräfte im Keller. Wo genau die noch nicht identifizierten Männer vermutlich an Rauchvergiftung starben, dazu gibt es bisher keine Angaben. Schon in der Nacht hatte die Feuerwehr berichtet, dass etwa 60 enge Einzelkabinen mit jeweils einem Bett darin einzeln aufgebrochen und kontrolliert werden mussten.

Nachdem der Qualm am Vormittag endlich abgezogen ist, gehen Polizisten in dem Gebäude in der Kurfürstenstraße ein und aus. Die Gedächtniskirche und der Breitscheidplatz sind nicht weit. Einige Wochen nach dem dortigen Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt heißt es im westlichen Herzen Berlins nun auf Absperrband erneut: „Tatort nicht betreten“. Brandermittler wollen jetzt klären, wie das Unglück passieren konnte. Wie lange das dauern kann, ist unklar.

Eine Frage dürfte nun auch sein, ob beim Brandschutz alles richtig gemacht wurde. Das ist laut Feuerwehr Aufgabe der Bauaufsicht beim Bezirk. Der Geschäftsführer des Clubs war am Montag auf Anfrage zunächst nicht zu erreichen.

Das Ganze hätte auf jeden Fall noch schlimmer enden können: Der Großteil der 30 Club-Besucher während des Brandes kann sich selbst in Sicherheit bringen. Sie stehen, teils nur in Handtücher gehüllt, vor dem Gebäude, als die Feuerwehr eintrifft. Auch die Bewohner einer Seniorenresidenz über dem Club kommen mit dem Schrecken davon. Die Löscharbeiten von rund 80 Mann dauern dann noch bis in die Nacht hinein, auf dem Boden bleiben dicke weiße Schaumschichten zurück.