| 02:39 Uhr

Bitte keine Selfies mit der Majestät

In der Berliner Kulisse passt das mintfarbene Kleid gut zur Quadriga auf dem Brandenburger Tor. Das wirkt nicht wie ein Zufall.
In der Berliner Kulisse passt das mintfarbene Kleid gut zur Quadriga auf dem Brandenburger Tor. Das wirkt nicht wie ein Zufall. FOTO: dpa
Berlin. Die richtige Anrede lautet "Eure Majestät". Bitte keine Selfies. Caroline Bock

Dass die schwedische Königin Silvia kommt, ist daran zu erkennen, dass alle im Saal aufgestanden sind. Gleich wird sie eine Familien-Konferenz eröffnen. Die sechsfache Großmutter wird sich als Freundin von Babywippen der Marke Baby björn outen. Draußen vor den Nordischen Botschaften in Berlin steht die Staatskarosse mit Schweden-Flagge - natürlich ein Volvo. Später wird sie einen Preis für ihr soziales Engagement bekommen.

Beim Interview mit der Königin gilt: Bitte keine Politik und nicht zu viel Privates. Die Fragen nach der AfD, nach "Dancing Queen", dem Abba-Hit zu ihrer Hochzeit mit Carl XVI. Gustaf im Jahr 1976, oder zum siebten Enkel - solche Fragen fallen damit flach. Erster Eindruck beim Interview: eine elegante Frau, die nicht wie 73 aussieht. In der Berliner Kulisse passt das mintfarbene Kleid gut zur Quadriga auf dem Brandenburger Tor. Das wirkt nicht wie ein Zufall.

Silvia spricht Deutsch, eine ihrer sechs Sprachen - und gerne über ihre sozialen Projekte, sie ist bei mehr als 60 Schirmherrin. Sie erzählt, wie ihre 1997 verstorbene Mutter an Demenz erkrankte und die Familie lernte, was das bedeutet. Heute, 25 Jahre später, habe sich der Umgang mit Demenz sehr verändert. "Jetzt wissen wir, dass es eine Krankheit ist." Stolz ist sie auf ein Wohnprojekt in Stockholm, das das Leben mit den Patienten erleichtert. Und natürlich auf ihre Kinder, etwa Tochter Madeleine, die sich in ihrer Stiftung World Childhood Foundation engagiert.

"Fabelhaft" findet sie, wie natürlich die Väter in Schweden mit ihren Kindern umgehen. Das sieht sie auch bei ihrem Sohn Carl Philip. "Es ist keine Frage, dass ein Vater mit seinem Kind und Kinderwagen in der Stadt herumgeht." Verglichen mit früher hätten die Eltern aber weniger Zeit mit den Kindern, sagt sie. "Sie haben ihre Karriere, sie machen also sehr viel." Sie findet es gut, dass es in Schweden so eine lange Elternzeit gibt.

Dann doch ein bisschen Politik. Am Mittwoch wollte Silvia auf der Bodensee-Insel Mainau ein Flüchtlingsprojekt eröffnen. Das Thema Integration bewegt Schweden wie Deutschland. Besonders wichtig findet sie, sich um die vielen Kinder zu kümmern, die ohne Eltern ins Land kamen. Zu dem von Angela Merkel geprägten Satz "Wir schaffen das" sagt sie, man müsse einen festen Willen haben. "Dann schafft man das auch."

Sie verweist auf die ältere Generation, die selbst Flüchtling war oder sich daran erinnert, wie viele Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen wurden. Die jüngere Generation erinnere sich nicht daran und sei vielleicht etwas ungeduldig. Nun müsse man es zusammen angehen.

Was für sie typisch deutsch ist? "Das deutsche Brot zum Beispiel". Das vermisse sie. Das schwedische Knäckebrot sei auch gut. Aber das deutsche Brot sei anders, durch den Sauerteig und das andere Mehl. Mit einer modernen Gepflogenheit kann die schwedische Königin nicht so viel anfangen. Die ewigen Selfies?

"Es ist eine Geschmacksfrage", sagt Silvia. Aber es seien doch schlechte Bilder. Der eine bekomme ein Riesengesicht, der andere hänge daneben. "Ich finde das nicht so sympathisch." Mit dem Fotografen geht sie auf den Balkon und lächelt - ohne Selfie.

Dann ist die Verleihung des Theodor-Wanner-Preises mit Außenminister Sigmar Gabriel, wieder stehen die Gäste im Saal auf. Silvia schließt ihre Dankesrede mit Papst Johannes Paul II.: "Eine Gesellschaft wird danach beurteilt werden, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht." Gabriel zitiert in seiner Laudatio die internationale Biografie der Königin: Ihr Herz sei brasilianisch, ihr Kopf deutsch, ihre Seele schwedisch. Eine "tolle Mischung" sei das, findet Gabriel.