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| 20:01 Uhr

Erster Kommentar nach Urteil
Bill Cosbys Ehefrau kritisiert "Lynchjustiz" gegen ihren Mann

Bill Cosby am 9. April 2018 vor dem Gerichtsgebäude von Montgomery County in Norristown, Pennsylvania.
Bill Cosby am 9. April 2018 vor dem Gerichtsgebäude von Montgomery County in Norristown, Pennsylvania. FOTO: afp
New York. Die Ehefrau des früheren US-Fernsehstars Bill Cosby hat den Schuldspruch gegen ihren Mann als "Lynchjustiz" kritisiert. Ein Gericht hatte den 80-Jährigen vergangene Woche des sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen.

"Dies ist Lynchjustiz, keine echte Justiz", erklärte Camille Cosby in einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben. Ihr Ehemann sei unschuldig, und der Schuldspruch müsse aufgehoben werden: "Diese Tragödie muss rückgängig gemacht werden - nicht nur um Bill Cosbys wegen, sondern für dieses Land."

Es war Camille Cosbys erster Kommentar zu dem in der vergangenen Woche gefällten Urteil gegen Bill, mit dem sie seit 54 Jahren verheiratet ist. Den Staatsanwalt Kevin Steele und sein Team bezeichnete sie als "ausbeuterisch und korrupt". Steeles Büro reagierte zunächst nicht auf eine Kommentaranfrage der AP.

Ein Gericht hatte den 80-Jährigen der sexuellen Nötigung schuldig befunden. Der einstige Comedy-Star wird von etwa 60 Frauen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, jedoch sind die meisten Fälle verjährt. Vor Gericht musste er sich wegen eines Falls aus dem Jahr 2004 verantworten.

Die Verkündung des Strafmaßes gegen den gefallenen Fernsehstar wird in den kommenden zwei Monaten erwartet. Der 80-Jährige befindet sich bis dahin gegen eine Million Dollar (830.000 Euro) Kaution in Hausarrest. Cosbys Anwalt hat bereits Berufung angekündigt.

Camille Cosby beschuldigt Staatsanwalt und Hauptzeugin

In ihrem dreiseitigen Schreiben warf Cosbys 74 Jahre alte Frau den Medien vor, ihren Mann systematisch verteufelt zu haben. Dadurch sei diesem jede Möglichkeit zu einem fairen Prozess genommen worden.

Sie forderte strafrechtliche Ermittlungen gegen den Staatsanwalt, der gegen Cosby ermittelt hatte, und unterstellte einen rassistischen Hintergrund: Es gebe "viele tragische Fälle, in denen unser Justizsystem vollkommen und routinemäßig darin versagt, Afroamerikaner gegen falsche Anschuldigungen zu beschützen".

Zudem bezeichnete Camille Cosby Andrea Constand, die Hauptzeugin der Anklage, als Lügnerin. Die Dutzenden anderen Frauen, die ihn beschuldigt hatten, verglich sie mit Lynch-Mobs und seine Behandlung mit dem von Emmett Till, einem schwarzen Teenager, der entführt und getötet wurde, nachdem er angeblich 1955 einer Weißen nachgepfiffen hatte. Constands Anwältin Dolores Troiani sagte, das Urteil sei von zwölf ehrenwerten Geschworenen gefällt worden und es müsse nichts weiter gesagt werden.

(togr/AFP/ap)