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Berlins neuer Schlossherr

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Zur Person. Gern lassen ihn die Briten nicht nach Berlin ziehen, ihren Neil MacGregor. 15 Jahre National Gallery, 13 Jahre British Museum: Es ist kein Wunder, dass britische Medien Neil MacGregor ein "nationales Kleinod" oder "Heiliger Neil" nennen. dpa/sm

Beinahe drei Jahrzehnte lang prägte der schottische Arztsohn als Direktor dieser Museen von Weltrang das kulturelle (Selbst-)Verständnis des Landes. Ziel des 68-Jährigen war stets, die unermesslichen Schätze der Sammlungen allen zugänglich zu machen.

Zuletzt eröffnete der Deutschlandkenner und -liebhaber den Briten mit der gefeierten Ausstellung "Germany: memories of a nation" und einer Radioserie einen neuen Blick auf die deutsche Geschichte, die jenseits des Ärmelkanals in der Wahrnehmung lange Zeit vor allem aus der Nazizeit bestand. Zu MacGregors großen Erfolgen zählen die Ausstellung der chinesischen Terrakotta-Armee 2007 und das multimediale Projekt "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten". Anhand von 100 Gegenständen, von einer Mumie bis zur Solarlampe, erklärte er die Weltgeschichte in einer 100-teiligen BBC-Radioserie.

Information und Unterhaltung, Wissenschaft und Popularität sind für MacGregor keine Gegensätze. Sein Interesse an Kunst habe er als Kind beim Anblick eines Bildes des gekreuzigten Jesus von Salvador Dalí entdeckt, sagte der Schotte einmal. Er studierte im heimischen Glasgow, in Oxford, Paris, Edinburgh und London - und zwar Deutsch, Französisch, Philosophie und Jura, bevor er sich der Kunstgeschichte zuwandte.

MacGregors Arbeit am British Museum war nicht frei von Kontroversen. Insbesondere weltberühmte Bruchstücke aus der griechischen Akropolis, die Parthenon-Friese, sind ein Dauerthema. Athen will die rund 2500 Jahre alten Marmorstatuen zurück, die seit 1816 in dem Londoner Museum stehen, und reagierte zornig, als MacGregor sie im Dezember an die Sankt Petersburger Eremitage verlieh. Das Berliner Humboldtforum im rekonstruierten Stadtschloss ist nicht die erste Institution, die um den Briten wirbt. Ein Angebot des New Yorker Metropolitan Museum of Art soll er ebenso ausgeschlagen haben wie die Ritterwürde.