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Beauftragten die älteren Brüder den Mord an ihrer Schwester Hatun?

Istanbul. Dieser Mord erschütterte Deutschland: Die junge Deutsch-Türkin Hatun Sürücü wurde vor elf Jahren von ihrem jüngsten Bruder in Berlin erschossen. Vor einem Gericht in Istanbul geht es um die Rolle der Familie: Haben die älteren Brüder den Mord beauftragt? dpa/pb

Der Prozess im Mordfall Hatun Sürücü ist in Istanbul fortgesetzt und kurz nach Verhandlungsbeginn verschoben worden. Der Richter legte am Dienstag den nächsten Termin auf 16. Februar 2017 fest. Als Begründung gab er an, dass Zeugen nicht wie geplant vernommen werden konnten. Eigentlich sollten bis zum Dienstag drei Zeugen der Verteidigung vernommen werden, darunter die Ex-Frau des 36-jährigen Angeklagten. Auch die Vernehmung der Ex-Freundin des Täters steht noch aus.

Den 36 und 37 Jahre alten Brüdern wird laut Anklageschrift das vorsätzliche Töten einer nahen Verwandten vorgeworfen. Sie sollen demnach den jüngsten Bruder mit dem Mord an Hatun Sürücü vor elf Jahren beauftragt und auch die Tatwaffe besorgt haben. Der Jüngste erschoss seine Schwester im Jahr 2005 an einer Bushaltestelle in Berlin.

Beim Verhandlungstag im Januar hatte der jüngste Bruder ausgesagt, die Tat alleine begangen zu haben. Die Anklage dagegen stützt sich vor allem auf die Aussagen der Ex-Freundin des Täters, der ihr laut Anklageschrift von dem Mitwirken der beiden Brüder erzählt hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte beim bisher letzten Verhandlungstag im April verlangt, die Ex-Freundin erneut zu vernehmen.

Der jüngste Bruder saß für den Mord an seiner Schwester neuneinhalb Jahre in Haft und wurde dann in die Türkei abgeschoben. Bei seiner Vernehmung vor dem Istanbuler Gericht stritt er entgegen früherer Behauptungen ab, Hatun Sürücü wegen ihres westlichen Lebensstils umgebracht zu haben. Stattdessen sagte er aus, er habe nach einem Streit die Fassung verloren.

Die beiden Angeklagten standen schon in Deutschland vor Gericht. Doch im Berliner Mordprozess wurden sie zunächst aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Bundesgerichtshof hob die Freisprüche 2007 auf. Die Brüder hatten sich jedoch in die Türkei abgesetzt, und die Türkei liefert ihre Staatsbürger nicht aus. Im Jahr 2013 eröffnete die türkische Justiz ein Strafverfahren gegen die Männer.