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Nach Orkantief "Friederike"
Bahnverkehr in NRW bleibt bis Montag eingeschränkt

Drei Tage nach Orkan "Friederike" ist die Bahn damit beschäftigt, Störungen zu beseitigen. Die Lage normalisiert sich – doch in NRW gibt es auch am Sonntag noch auf einigen Strecken Probleme.

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Wie die Bahn am Sonntag auf Anfrage mittelte, müssen Reisende bis mindestens Montag noch mit Einschränkungen rechnen. Folgende Linien werden weiterhin nur auf Teilstrecken bedient: RE11, (Stand: Montag) Auch im Busverkehr kann laut es Bahn noch zu Einschränkungen kommen. Alle Informationen dazu finden Sie auf der Webseite der Deutschen Bahn.

Auch bei den Privatbahnen gab es Einschränkungen (Stand: Samstag). So bedient etwa Abellio derzeit nicht die Strecken Bochum - Witten (RE16, RB40), Letmathe - Iserlohn (RE16, RB91) und Oberhausen - Wesel (RE19, RB35). Bei der Eurobahn fällt im Moment die Regionalbahn 50 aus. Auf folgenden Linien werden nur auf Teilstrecken bedient: 59, 72, 78, 82 und 89 aus. Alle anderen Linien fahren wieder, es kann nach Angaben von Abelio aber noch zu Verspätungen kommen.

Bei der Nordwestbahn verkehren fast alle Linien wieder nach regulärem Fahrplan. Lediglich auf der Linie RB 31 gibt es noch eine Einschränkung: Die Haltestelle Trompet kann in beide Fahrtrichtungen nicht angefahren werden. Der National Express vermeldet, dass die Linie RE7 derzeit nur zwischen Krefeld Hauptbahnhof und Münster Hauptbahnhof fährt. Weitere Informationen zu Einschränkungen finden Sie auf den Webseiten der Unternehmen.

"Pro Bahn" fordert niedrigere Gewächse an Strecken

Wegen der Auswirkungen des Sturms hatte die Deutsche Bahn am Donnerstag erstmals seit dem Orkan "Kyrill" im Jahr 2007 den Betrieb auf ihrem gesamten Fernverkehrsnetz eingestellt. Der Fahrgastverband Pro Bahn verlangt nach der Komplettsperrung des Bahnverkehrs niedrigere Gewächse neben Bahnstrecken. "Sinnvoll ist direkt neben den Gleisen eine Bepflanzung mit Sträuchern und Büschen. Bäume sollten erst in einem größeren Abstand zum Gleis gepflanzt werden", sagte Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Pro Bahn argumentiert, mit mehr Büschen und weniger Bäumen neben Gleisen würden sich zwei Vorteile ergeben: Umstürzende Bäume würden weitgehend von den Sträuchern und Büschen aufgefangen. Zudem würde durch das niedrige Gehölz ein wertvoller Lebensraum für Insekten entstehen. Ein Konzept könnte einvernehmlich zwischen Bahnbetreibern, Naturschutzbehörden und Fahrgastverbänden erstellt und wenn nötig mithilfe der öffentlichen Hand finanziert werden, sagte Naumann.

Kündigt sich ein schwerer Sturm an, reagiert die Bahn inzwischen schneller als früher mit der Einstellung des Zugverkehrs. Sie will so verhindern, dass Züge auf offener Strecke liegenbleiben und evakuiert werden müssen. Vorsorglich bleiben die Züge deshalb in den Bahnhöfen.

Nach Bahn-Angaben werden die Pflanzen neben den Gleisen zurzeit mindestens sechs Meter zurückgeschnitten. In problematischen Zonen soll es auch breitere Streifen geben. In ihr Vegetationsprogramm will das Unternehmen 2018 wie schon im Vorjahr rund 100 Millionen Euro stecken. Für Neupflanzungen will die Bahn ausschließlich tiefwurzelnde Baumarten wie Eiche oder Blutahorn verwenden.

Mit erneuten Böen ist nicht zu rechnen

Mehr als 200 beschädigte Streckenabschnitte vor allem in Nordrhein-Westfalen und in Mitteldeutschland zählte die Bahn nach dem Orkan. Das Unternehmen rät weiterhin, sich vor Fahrtantritt auf der Internetseite der Bahn zu informieren, ob die Züge tatsächlich fahren.

Im Süden Deutschlands verkehren die Züge wieder weitgehend. "Im Norden Deutschlands starten die Züge, sobald weitere Strecken von Schäden befreit und freigegeben wurden. Für das Wochenende erwarten wir einen weitgehend normalen Verkehr", sagte der Sprecher.

Der schwerste Orkan seit mehr als zehn Jahren in Deutschland hatte mindestens sechs Menschen das Leben gekostet. Vielerorts wurde zeitweise Windstärke 12 und mehr gemessen. Auch mehrere Flughäfen strichen aus Sicherheitsgründen Flüge. Die Feuerwehr rückte zu hunderten Einsätzen aus.

Mit erneuten Sturmböen ist am Sonntag nicht zu rechnen, sagte ein Experte vom Deutschen Wetterdienst am Samstag. Es gebe aber voraussichtlich Regen und im Süden Nordrhein-Westfalens vereinzelt Schnee.

Spaziergänger sollten am Wochenende Wälder meiden und Vertretungsverbote durch die Behörden beachten. Es bestehe Lebensgefahr etwa durch dicke Äste, die auch Tage nach einem Sturm noch zu Boden fallen könnten.

Hier gibt es das Protokoll des Orkan-Tages zum Nachlesen.