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| 02:39 Uhr

Auf Defoes Spuren

In der Berner Burgerbibliothek hat bis vor Kurzem die Originalhandschrift eines der wirkmächtigsten Abenteuerbücher aus der Aufklärung geschlummert. Es war ein ungerechter Schlaf: Denn "Der Schweizerische Robinson oder der schiffbrüchige Schweizer-Prediger und seine Familie" von Johann David Wyss ist schon weit vor Johanna Spyris "Heidi" einer der bedeutendsten eidgenössischen Romane. Sebastian Fischer

Jetzt liegt er nach langer Zeit wieder in ungekürzter Fassung vor. Es geht auf eine einsame Insel. Im Nachklang zu Defoes genrebildendem "Robinson Crusoe" schreibt Wyss ein Erziehungsbuch. Darin wird Ende des 18. Jahrhunderts eine Berner Pfarrerfamilie nach einem Schiffbruch in der Südsee an Land gespült. Dieses utopische "Neu-Schweizerland" wird für die Familie bald zu einem besseren Ort als die europäische Heimat unter napoleonischem Joch. Für heutige Leser sind nicht nur die altertümliche Sprache und die wundersamen Bilder fremd, auch das dargestellte Szenario ist teilweise erschreckend. Und doch: Mit der jetzigen Ausgabe ist die Utopie endlich wieder in all ihren sonderbaren Facetten zu genießen.

Johann David Wyss: Der Schweizerische Robinson. Die Andere Bibliothek, 1176 S., 68 Euro