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Auch Stephen King hat die Nase voll

Nicht lustig.
Nicht lustig. FOTO: EPA/Erik S. Lesser/dpa
Schwieberdingen/Berlin. Die Übergriffe von Grusel-Clowns machen der Zirkusbranche Sorgen. Manche Spaßmacher verzichten neuerdings lieber auf die weiße Schminke. Auch Horror-Meister Stephen King hat die Nase voll. dpa/pb

Nach mehreren Übergriffen von sogenannten Grusel-Clowns auf Passanten befürchten professionelle Spaßmacher einen Imageschaden. "Durch die Attacken wird der Clown immer mehr zum Angstobjekt", sagte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Zirkusunternehmen, Dieter Seeger. "Mit einem Clown soll eigentlich Spaß, Freude und Tollpatschigkeit assoziiert werden. Über ihn soll man lachen."

Warum die Maskierten sich für ein Clowns-Kostüm entscheiden, kann Seeger nur vermuten: "Möglicherweise hat das mit einigen Kinofilmen zu tun, in denen der Bösewicht als Clown auftritt - zum Beispiel bei Überfällen." Das weiß geschminkte Gesicht, die rote Nase und das breite Grinsen seien dann nur noch gruselig. Gerade auf Kinder wirke sich das traumatisch aus. "Viele moderne Clowns im Zirkus verzichten mittlerweile auf die weiße Gesichtsfarbe und Maske und setzen eher auf lustige Kleidung."

"Destruktive Neigungen"

Die professionellen Clowns sind sauer und stellen klar: "Grusel-Clowns sind keine Clowns. Es sind wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen auf diese armselige Art ausleben wollen." In einer Mitteilung des Dachverbands Clowns in Medizin und Pflege Deutschland heißt es weiter: "Sie sind weder komisch noch beeindruckend, sondern ein grotesker Abklatsch einer zutiefst menschlichen, positiven Freude an der Anarchie."

Auch der Geschäftsführer des Vereins Rote Nasen Deutschland, Claus Gieschen, betonte in Berlin: "Wer Kinder und Erwachsene erschrickt und sich dabei hinter einer Maske verbirgt, richtet nicht nur seelischen Schaden bei den Betroffenen an, sondern beschädigt das Bild von Clowns in der Öffentlichkeit." Der therapeutische Einsatz von Clowns in Krankenhäusern sei wegen der Gruselwelle gefährdet.

Der Direktor des Zirkus "Roncalli", Bernhard Paul, prophezeite in der österreichischen "Kronen Zeitung", die Grusel-Clowns würden "so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind". Paul sagte weiter: "Die Kostümierung dieser Gestalten ist die eine Sache. Dass sie sich ungestraft Clowns nennen, ist die andere. Aber wenn sie dann auch noch mit Sägen und Knüppeln auf Leute losgehen, dann sind es Kriminelle, dafür ist die Polizei zuständig."

In den USA und zahlreichen anderen Ländern machen Grusel-Clowns schon seit einiger Zeit die Straßen unsicher - zuletzt mehrten sich auch Berichte über Grusel-Clowns in Deutschland. Als Videos tauchen die makabren Streiche oft im Internet auf. Inzwischen ist es selbst Stephen King zuviel. Der US-Horrorautor hatte mit dem Roman "Es", in dem der böse Clown Pennywise reihenweise Kinder tötet, 1986 einen Bestseller gelandet. King schrieb diesen Monat auf Twitter: "Liebe Leute, macht endlich mal halb lang mit dieser Clown-Hysterie. Die meisten von ihnen sind gut, heitern Kinder auf und bringen Menschen zum Lachen."

Politker wollen durchgreifen

Die Grusel-Clowns rufen jetzt auch die Politik auf den Plan. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte ein hartes Vorgehen an. "Solche üblen Gags können schlimme Folgen haben", sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse". "Wir werden da deshalb auch nichts durchgehen lassen und jeden Fall konsequent verfolgen sowie entsprechend ahnden."

Auch Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) warnte Grusel-Clowns vor den Folgen ihrer makabren Aktionen. "Wer andere sprichwörtlich zu Tode erschrecken will, ist nicht lustig, sondern ein Straftäter", sagte Kutschaty der "Bild"-Zeitung. Selbst wenn dem Opfer nichts passiere, könne die Tat eine strafbare Bedrohung sein. "Und auch hierfür kann der demaskierte Clown schon bis zu einem Jahr im Gefängnis landen."

Die Gewerkschaft der Polizei in Baden-Württemberg rief Passanten zum Widerstand auf. Wer einem Grusel-Clown begegne, solle auf ihn zulaufen und beispielsweise laut "Hau ab" rufen. "Wir halten diese geistigen Tiefflieger für sehr gefährlich."