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| 02:38 Uhr

Atlantis soll nicht untergehen

Diese Brücke ist normalerweise im Edersee versunken.
Diese Brücke ist normalerweise im Edersee versunken. FOTO: dpa
Waldeck. Die Ruinen im hessischen Edersee locken an manchen Wochenenden Zehntausende Besucher an. Doch die Natur hat den Überresten alter Dörfer zugesetzt. Göran Gehlen

Das mythenumrankte Inselreich Atlantis wurde berühmt, weil es unterging. Das Atlantis im nordhessischen Edersee ist dagegen bekannt, weil es auftaucht. Die Ruinen aufgegebener Dörfer haben sich zu einer Touristenattraktion entwickelt. Gerade sind sie wieder zu sehen. Doch dieses Atlantis ist bedroht: Wasser und Sonne setzen den Mauerresten zu.

Die Anwohner des Edersees versuchen auf unterschiedlichen Wegen, die Dorfstellen zu erhalten. 700 000 Übernachtungen und drei bis vier Millionen Tagesgäste regis triert man jährlich am Edersee. Die meisten kommen wegen des Wassers.

Die Pegelstände sind ein Politikum: Der Edersee soll die Weser-Schifffahrt sichern. Doch das Ablassen des Wassers ist ein Nachtteil für den Wassersport. Touristiker und Gemeinden der Ferienregion hätten daher lieber einen vollen See. "Unsere Marke ist der Edersee", sagt Claus Günther, Geschäftsführer der örtlichen Touristic GmbH.

Doch wenn im Sommer die Pegel sinken, tauchen die Ruinen der alten Dörfer Berich, Asel und Bringhausen auf. Sie mussten nach dem Bau der Staumauer 1912 aufgegeben und verlegt werden. Die Dörfer sind eine Attraktion, die für den See vielleicht immer wichtiger wird: "Wenn sich die Klimasituation vor Ort mit wenig Niederschlägen so weiterentwickelt, müssen wir uns Gedanken machen, wie wir mit dem Thema umgehen", sagt Günther. Die Überreste sind unterschiedlich gut erhalten. Die alte Brücke bei Asel ist in hervorragendem Zustand und das Wahrzeichen des Edersee-Atlantis.

Eine Sonderstellung nimmt Berich ein. Hier versucht seit 2012 ein Förderverein, das Rad der Zeit zurückzudrehen. "Wir haben uns vorgenommen, die Grundmauern Stück für Stück wieder aufzubauen", sagt der zweite Vorsitzende Uwe Neuschäfer. Während alte Stützmauern ein paar Meter weiter kaum noch zu retten sind, hat der Förderverein zum Erhalt der Dorfstelle Berich die Konturen von vier Gebäuden einen halben Meter hoch aufgemauert. Möglich sei das nur, weil dort eine Tauchzone sei.

Denn grundsätzlich gilt: Die Funktion als Stausee gehe vor, erklärt das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt in Hannoversch Münden. Das Amt vertritt den Bund, dem der Grund des Sees gehört. Und dort sieht man vor allem die Sicherung der Schifffahrt als Aufgabe - und nicht die Rettung alter Ruinen.