ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:23 Uhr

Angst vor asiatischer Marienkäfer-Invasion

Eine Invasion von asiatischen Marienkäfern im Norden und Osten Frankreichs bereitet Umweltschützern und Wissenschaftlern Sorgen. Die Eindringlinge breiteten sich seit einiger Zeit besonders rapide aus, berichtet Raynald Moratini von der Straßburger Umweltschutzvereinigung „Imago“ . Von Yann Ollivier

Er habe kürzlich an einer Häuserfassade der Elsass-Metropole „mehrere Tausend“ der roten Käfer mit den schwarzen Punkten gesehen. Andere Straßburger beobachteten nach seinen Angaben regelrechte Käfer-Kolonien, die durch Fenster und Balkone in ihre Wohnungen einmarschierten - offenbar auf der Suche nach einem Winterquartier.
Die ersten frei lebenden Exemplare der „Harmonia axyridis“ genannten, bis zu sechs Millimeter großen Käfer wurden Wissenschaftlern zufolge 2001 in Belgien gefunden. Von dort breiteten sie sich rasch nach Süden und Osten aus. Auch in Deutschland sind sie heute in vielen Gegenden anzutreffen. Nach Frankreich seien die gefräßigen Tierchen ab 2004 eingewandert, berichtet Vincent Ternois, Gründer einer „ständigen Beobachtungsstelle für die Ausbreitung des asiatischen Marienkäfers in Frankreich“ . Zurzeit stehe sein Telefon nicht still, betont der Biologe. Die zahlreichen Berichte von Käferinvasionen vermerkt er auf einer Frankreich-Karte, die er ins Internet gestellt hat.
Die asiatischen Käfer sind Ternois zufolge besonders gefräßig: Sie vertilgen nicht nur große Mengen von Blattläusen, sondern auch andere Insekten, Insekteneier und Larven. Dadurch würden immer mehr einheimische Arten verdrängt. „Wo sich die Harmonia axyridis ausbreitet, müssen die anderen weichen.“ Sorge bereite die Käfer-Invasion auch den Winzern, berichtet Ternois. Die Käfer versteckten sich gern in den reifen Trauben und gelangten dann mit diesen in die Weinpresse. Das könne eine gute Ernte, etwa bei der im Elsass besonders beliebten Spätlese, leicht verderben. „Die Käfer schmecken nämlich bitter.“ Ihrem bitteren Geschmack verdanken die asiatischen Eindringliche auch, dass sie kaum natürliche Feinde haben - und sich somit immer mehr verbreiten.
Die „Harmonia axyridis“ waren in Frankreich freilich nicht immer unwillkommen: 1982 wurde sie sogar vom staatlichen landwirtschaftlichen Forschungsinstitut für ein Experiment aus China importiert - als natürlicher Vernichter der gefürchteten Blattläuse. Ab 1995 wurde sie von der französischen Firma Biotop vermarktet, bis diese im Jahre 2000 den Handel wegen der Verbreitungsgefahr einstellte. Seither vermarktet das Unternehmen eine gentechnisch veränderte Variante, die nicht fliegen kann. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass sich die gefräßigen Käfer überall breitmachen. Die gentechnisch veränderte Variante stelle keinerlei Gefahr für die Umwelt dar, versichert Firouz Kabiri von der Firma Biotop.
Der Biologe Ternois sieht die Gefahr hingegen durchaus nicht gebannt: Wenn sich ein gentechnisch veränderter Marienkäfer mit einem wilden kreuze, könne der Nachwuchs vielleicht wieder fliegen, warnt er. Aber für ein Verbot sei es heute ohnehin zu spät: „Ich glaube, nichts wird diese Käfer aufhalten können.“