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| 07:46 Uhr

Bericht von Amnesty International
Weltweit warten mehr als 21.000 Menschen auf ihre Hinrichtung

Berlin. Die Zahl der Hinrichtungen ist weltweit gesunken, aber gleichzeitig leben immer mehr Menschen mit einem Todesurteil. Vor allem bei Drogendelikten scheinen Staaten sich von dieser Strafe eine Abschreckung zu versprechen.

Die Zahl der Hinrichtungen ist weltweit gesunken, aber gleichzeitig leben immer mehr Menschen mit einem Todesurteil. Vor allem bei Drogendelikten scheinen Staaten sich von dieser Strafe eine Abschreckung zu versprechen.

Es hört sich zunächst an wie eine positive Nachricht: Weltweit sind im vergangenen Jahr weniger Menschen hingerichtet worden als 2016. Doch der Schein trügt. Denn die Zahl derer, die in den Gefängnissen auf die Vollstreckung der Todesstrafe warten, ist im gleichen Zeitraum um 16 Prozent auf 21.919 gestiegen. Das geht aus dem Jahresbericht von Amnesty International hervor. China fehlt allerdings in der Statistik, wie schon in den Vorjahren, da das Land Angaben zur Todesstrafe unter Verschluss hält. Amnesty geht davon aus, dass es in dem bevölkerungsreichsten Land der Welt Jahr für Jahr Tausende Todesurteile und Hinrichtungen gibt.

Die Ergebnisse des Jahresberichts im Überblick

  • 56 Länder wenden die Todesstrafe grundsätzlich an. 53 Staaten verhängten sie 2017 auch. 23 richteten Menschen hin. Sieben weitere Regierungen behalten sich die Todesstrafe für Krisenzeiten oder besonders schwere Verbrechen vor: Brasilien, Chile, El Salvador, Guatemala, Israel, Kasachstan und Peru.
  • 2017 sank die Zahl der vollstreckten Hinrichtungen im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 993. Verglichen zum Rekordjahr 2015 mit 1.634 Hinrichtungen betrug der Rückgang sogar 39 Prozent.
  • 2017 wurden auch weniger Todesurteile ausgesprochen als im Vorjahr: Diese Zahl sank um 526 - von 3.117 auf 2.591.

Trotzdem werden weiterhin Menschen enthauptet, erhängt, erschossen oder mit Gift getötet - ein Prozedere, das aus westeuropäischer Sicht mittelalterlich anmutet. Ein Blick auf die Landkarte zeigt: Die Hinrichtungen konzentrieren sich hauptsächlich auf vier Länder im Mittleren Osten: 84 Prozent der vollstreckten Todesurteile entfielen auf den Iran, Saudi-Arabien, Irak und Pakistan.

Doch auch in den USA wurden im vergangenen Jahr 41 Menschen zum Tode verurteilt und 23 auf staatlichen Geheiß getötet. Die Vereinigten Staaten blieben 2017 das einzige Land in ganz Amerika, das die Todesstrafe vollstreckt.

Die meisten Hinrichtungen wurden 2017 in folgenden Ländern gezählt:

  • Iran (mindestens 507, fünf davon waren zum Tatzeitpunkt noch minderjährig),
  • Saudi-Arabien (146),
  • Irak (mindestens 125)
  • Pakistan (mindestens 60).

Die meisten Todesurteile wurden 2017 in folgenden Länder gezählt:

  • Nigeria (621),
  • Ägypten (mehr als 402),
  • Bangladesch (mehr als 273).

Eine weitere Beobachtung der Menschenrechtler. Die Todesstrafe findet zunehmend Anwendung bei Drogendelikten. 15 Länder verhängten oder vollstreckten 2017 Todesurteile als Maßnahme gegen Drogenvergehen, darunter zehn Länder in Asien. Die meisten Hinrichtungen aufgrund von Drogenstraftaten zählt die Amnesty-Statistik jedoch in Nordafrika und dem Mittleren Osten mit 264.

Mit Guinea und der Mongolei haben 2017 zwei weitere Staaten die Todesstrafe vollständig abgeschafft. Damit gibt es sie in 142 Ländern nicht mehr. Das sind zwei Drittel aller Staaten weltweit. Vor 30 Jahren waren es noch halb so viele Staaten.

"Das ist ein wichtiger Erfolg", sagte Amnesty-Expertin Andrea Berg. "Dennoch sitzen 2017 weltweit mehr als zwanzigtausend Menschen in Todestrakten, weil Regierungen immer noch auf diese menschenverachtende und menschenrechtswidrige Form der Bestrafung setzen, anstatt die Ursachen von Kriminalität zu bekämpfen und wirksame Maßnahmen gegen Drogenmissbrauch, Korruption oder Terrorismus zu ergreifen."

(wer)