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| 08:25 Uhr

Reaktion auf neue Studie
Ärzte fordern härtere Strafen für Gewalt gegen Mediziner

Arzt mit einem Stethoskop (Symbolbild).
Arzt mit einem Stethoskop (Symbolbild). FOTO: dpa, pse fux dna
Berlin. Die Ärzte beklagen zunehmende Aggressionen in Praxen und fordern härtere Strafen. Laut einer Umfrage kommt es bundesweit an jedem Arbeitstag zu 288 Fällen von körperlicher Gewalt in Arztpraxen.

Auch für Gewalt gegen Mediziner solle der neue Straftatbestand zum Schutz von Feuerwehr, Polizisten und Rettern gelten, forderten die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der NAV-Virchow-Bund der niedergelassenen Ärzte am Dienstag. Eine im vergangenen Jahr in Kraft getretene Strafgesetzbuch-Änderung sieht für Angriffe bis zu fünf Jahre Haft vor. Ärzte in Praxen und Kliniken sowie medizinisches Personal seien dabei nicht berücksichtigt worden.

Die beiden Verbände stellten eine Auswertung zu Aggressionen vor. Pro Arbeitstag komme es in deutschen Praxen 288 Mal zu körperlicher Gewalt. Verbale Gewalt gebe es in täglich 2870 Fällen. Für die Zahlen seien Antworten von 7500 Medizinern in einer Umfrage ausgewertet und auf die 145.000 niedergelassenen Ärzte in Deutschland hochgerechnet worden, hieß es zur Methode. Pro Jahr gibt es nach Ärzte-Angaben rund eine Milliarde Kontakte zwischen Ärzten und Patienten und mehr als 600 Millionen Behandlungsfälle in Praxen niedergelassener Mediziner.

"Gewalt ist längst Alltag in unseren Praxen", kritisierte Dirk Heinrich, Vorsitzender des NAV-Virchow-Bundes. Als Ursache nannte er "die allgemeine Verrohung und ein immer höheres Anspruchsdenken". Kassenärzte-Chef Andreas Gassen sagte, die Entwicklung sei bestürzend und sollte jene in Politik und Krankenkassen nachdenklich stimmen, die "populistisches Ärztebashing" betrieben. "Wer ständig einen kompletten Berufsstand verbal kriminalisiert, braucht sich nicht zu wundern, wenn dies zur Gewalt in Praxen führt."

(wer)