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| 19:09 Uhr

Feuchtigkeit sorgt für Surralarm
Achtung: Jetzt kommen auch die Tropenmücken

Mücke
Mücke FOTO: Umard - stock.adobe.com / Umard/fotolia
Dessau-Roßlau/Berlin. Bisher sorgte das trockenen Wetter für Ruhe. Aber das könnte sich bald ändern.

Die extrem lange Trockenzeit hat die Zahl der Mücken in vielen Regionen Deutschlands dezimiert. Es könnte jedoch bald wieder surren, denn starker Regen bei Wärme ist ideal für Stechmücken. „In der langen Trockenphase haben viele weibliche Mücken ihre fertigen Eier in sich getragen und nach Möglichkeiten gesucht, sie abzulegen“, sagt Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) in Müncheberg bei Berlin. Nach Unwettern vielerorts konnten und können sie das nun tun.

Die Entwicklung von Ei-Ablage bis zur stechenden Mücke dauere bei 25 Grad Celsius etwa zwei Wochen, sagt Walther. Bei anderen Mücken legen die Weibchen ihre Eier an feuchte Stellen, und der Nachwuchs entwickelt sich erst dann, wenn er überschwemmt wird. So oder so: „Wir werden bald in vielen Regionen umfangreiche Mückenpopulationen haben.“

Darunter mischen sich auch Neuankömmlinge, wovon zwei Arten besonders bedeutend sind. „Die aus den Tropen stammende Asiatische Tigermücke hat bereits in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen überwintert“, so Walther. Die Asiatische Buschmücke, die auch kälteres Klima vertrage, habe schon Regionen in neun Bundesländern besiedelt. Erstmals 2008 in Baden-Württemberg nachgewiesen, sei sie bereits bis nach Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gelangt.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurde in Deutschland bislang zwar noch keine Übertragung von Dengue-, Chikungunya- oder West-Nil-Viren durch die Mücken bekannt, doch das Institut registriert jährlich Hunderte Rückreisende mit Dengue-Fieber, das oft symptomlos verläuft, aber auch zu starken Muskelschmerzen, Blutungen, und – ganz selten - zum Tod führen kann. Zudem werden mehrere Dutzend Rückreisende mit Chikungunya-Fieber gemeldet, das starke Gelenkschmerzen auslöst.

Tigermücken könnten nach Auskunft von RKI-Epidemiologin Christina Frank Viren allenfalls unter bestimmten Umständen übertragen: Wenn eine Mücke einen Reiserückkehrer mit entsprechenden Viren im Blut sticht, die Lufttemperatur lange hoch genug ist, damit die Mücke das Virus weitergeben kann, und es vor dem Tod des kurzlebigen Insekts noch zu einem zweiten Stich kommt. „Unter welchen Umständen die nach Deutschland gelangten Tigermücken welche Viren übertragen können, ist noch recht unklar“, sagt Frank. „Tropenreisende können helfen, Übertragungen zu vermeiden, indem sie sich im Urlaub und danach vor Mückenstichen schützen.“

Die Buschmücke habe im Laborversuch das Dengue-, Chikungunya- und West-Nil-Virus übertragen, sagt Infektiologe Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Buschmücke das West-Nil-Virus übertragen kann, aber wir haben keinen Beleg dafür, dass es schon passiert ist“, sagt Kampen und verweist auf die Rolle der Temperatur. Werde das Klima in Deutschland wärmer, könne es sein, dass Buschmücken, aber auch heimische Mückenarten hier zu Virenüberträgern werden. Nötig seien dazu aber infizierte Menschen.

Laut Walther können sich die eingeschleppten Mücken in Deutschland gut vermehren, schon kleinste Wassermengen, etwa in einem Blumenuntersetzer genügten zur Eiablage. Kartiert werden Mücken im deutschen Mückenatlas, für den jeder seit 2012 Tiere einsenden kann. Zalf und FLI betreiben ihn und bestimmen auch die Mückenart.

Die Stiche der beiden invasiven Arten seien im Prinzip nicht schlimmer als die heimischer Stechmücken, versichert Walther. Mückenstiche könnten sich generell durch Kratzen entzünden. Besonders unangenehm seien Stiche der Kriebelmücke, sagt Dermatologe Martin Metz von der Berliner Charité. Sie führten auch häufiger zu einer Entzündung der Lymphgefäße. Dabei entstehe ein roter Strich auf der Haut, der früher oft fälschlich als Blutvergiftung gedeutet worden, aber lange nicht so gefährlich sei. Dennoch sollte man bei diesem Symptom zum Arzt gehen. Dies rät Metz auch bei deutlich über den Bereich des Stiches hinausgehenden Schwellungen, Quaddeln oder Rötungen, insbesondere wenn Symptome wie Fieber oder Lymphknoten-Schwellungen hinzukommen.

Schwere allergische Reaktionen auf Mückenstiche seien deutlich seltener als etwa auf Bienen- und Wespenstiche. Ein anaphylaktischer Schock sei extrem selten.

Mücke
Mücke FOTO: Umard - stock.adobe.com / Umard/fotolia