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| 17:15 Uhr

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Trostlose Not-Aufnahmen

 Ida Kretzschmar
Ida Kretzschmar FOTO: LR / Sebastian Schubert
Notgedrungen schaust du in Fabers blutunterlaufene Augen. Quälst dich mit seinen unerträglichen Albträumen. Siehst zu, wie er sich eine Tüte über den Kopf zieht, um ansatzweise zu fühlen, was Internistin Dr. Gisela Mohnheim in der Zentralen Notaufnahme angetan wurde. aa

Sie, das Opfer des „Inferno“-Tatorts, bleibt dem Zuschauer fremd. Obwohl sie vielleicht genauso innerlich gebrannt hat wie Faber. So wie alle Charaktere, die dort in der Dortmunder Notaufnahme arbeiten, seltsam blass bleiben.

Es ist, als ob sie in diesem permanenten Stress, dem sie dort ausgesetzt sind, an Farbe verloren haben. Einzig der Täter, dieser Chefarzt Norstädter, angeblicher Doktor und Möchtegern-Psychiater, prägt sich ins Zuschauergedächtnis. Weil Hauptkommissar Faber in diesem blauäugigen Mann in Weiß seine letzte Hoffnung sieht. Und so verblasst alles gegen diese Not-Aufnahmen, die sich im Gesicht von Jörg Hartmann als Peter Faber spiegeln. Seit er Frau und Tochter verloren hat, balanciert er auf dem Drahtseil, unberechenbar und absturzgefährdet. Dagegen wirkt Anna Schudt als Hauptkommissarin Martina Bönisch fast wie ein Eisblock, auch gegenüber den Jungen aus ihrem Ermittlerteam Aylin Tezel als Oberkommissarin Nora Dalay und Rick Okon als Polizeihauptkommissar Jan Pawlak, die offenbar auch ihre Probleme haben. Komisches Team. So breitet sich am vergangenen Sonntagabend vor allem eine große Trostlosigkeit aus.

Bei laufendem Betrieb gefilmt, ist es vor allem diese Atmosphäre der Überlastung, Übermüdung, Angst, die beide Teams ausstrahlen, ständig im Ausnahmezustand zwischen Leben und Tod, in Alarmbereitschaft. Grimme-Preisträger Richard Huber erzählt das wie zwischen Tür und Angel. Mit Todesverachtung rast Faber am Ende gegen den Wagen des Täters und landet dabei selbst als Patient in der Notaufnahme. Das wirft Fragen um die Zukunft des Dortmunder „Tatort“ auf. Will Hartmann etwa wie Aylin Teze seinen Dienst quittieren? Sieht nicht so aus. Denn der 15. Fall aus Dortmund mit dem Titel „Monster“ wurde gerade gedreht. Auch wenn das nicht gerade ein Typ zum Liebhaben ist: Der sperrige Faber wird wohl wieder auferstehen. Genial spielen aber kann Jörg Hartmann womöglich woanders noch besser.