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19-Jähriger tötete aus Frust

Bitte ruf die Polizei: Georgios Chaitidis in seinem Imbiss "Thessaloniki-Grill", in dem sich der mutmaßliche Kindermörder stellte.
Bitte ruf die Polizei: Georgios Chaitidis in seinem Imbiss "Thessaloniki-Grill", in dem sich der mutmaßliche Kindermörder stellte. FOTO: dpa
Herne. Das Schock-Geständnis von Herne: Aus purem Frust über private Rückschläge soll Marcel H. plötzlich Mordlust entwickelt haben. Christof Bock

Der Teenager hat die Tötung des neunjährigen Nachbarsjungen Jaden und eines 22 Jahre alten Bekannten bei der Polizei "eiskalt und emotionslos" zugegeben, wie der Leiter der zuständigen Mordkommission, Klaus-Peter Lipphaus, am Freitag in Dortmund sagte.

Am Donnerstag hatte Marcel H. sich in Herne gestellt, das Ende einer dreitägigen Großfahndung. "Wir haben schon viel Elend miterleben müssen, aber so ein Mordfall geht unter die Haut." Laut Vernehmung waren die Auslöser eine Absage auf eine Bewerbung als Zeitsoldat der Bundeswehr, der drohende Verlust von Internetanschluss und Online-Videospielen sowie zwei gescheiterte Suizide.

Dies alles habe Marcel H. bei der Polizei geschildert, sagte Lipphaus: "Ich habe an wenig von dem, was er sagt, Zweifel. In allen Bereichen kann man ihm aber nicht trauen." Der Mann trete in Vernehmungen "eiskalt" auf. "Er diktiert den Kollegen." Staatsanwalt Danyal Maibaum sagte, der 19-Jährige habe aus Mordlust und heimtückisch gehandelt. Die Ermittler glauben allerdings nicht, dass er noch mehr Menschen tötete.

Marcel H. habe sich auf der Flucht nach der Tötung von Jaden am Montag kurz in einem Waldstück versteckt und dann noch am selben Abend Unterschlupf bei einem arglosen Mitschüler vom Berufskolleg gefunden. Man habe noch gemeinsam gegessen und Computerspiele gespielt. Am nächsten Morgen habe der Bekannte ihn aber zur Rede gestellt, weil er von der Fahndung erfahren habe. Daraufhin soll Marcel H. ihn mit 68 Messerstichen getötet und auch Gewalt gegen den Hals ausgeübt haben. Jaden soll er zuvor mit 52 Stichen umgebracht haben.

Der Verdächtige habe sich den Ermittlern sehr geöffnet, sagte Lipphaus. "Er redet viel." Der junge Mann sei demnach in der Vernehmung nicht nur von gescheiterten Bewerbungen - unter anderem bei der Bundeswehr - frustriert gewesen. Der 19-Jährige war außerdem dabei, mit den Eltern in eine Nachbarstadt umzuziehen. Deswegen habe er befürchtet, seinen Online-Zugang zu verlieren. Auch die Befürchtung, "keine Computerspiele im Internet mehr spielen zu können", habe ihn zu Suizidgedanken getrieben, sagte Lipphaus.

Zwei Versuche einer Selbsttötung seien am Montag gescheitert, da habe er beschlossen, noch am selben Abend einen Mord zu begehen - und bei den Nachbarn geklingelt. Er und der kleine Jaden seien "langjährig bekannt" gewesen. Er soll das Kind unter einem Vorwand in den Keller gelockt und umgebracht haben. Die Polizei schließt dabei ein Sexualdelikt aus. Nach der Tat waren Bilder des 19-Jährigen aufgetaucht, auf denen er mit Jadens Leiche posierte. Den Ermittlern zufolge gibt der Verdächtige an, er habe die Bilder an Bekannte verschickt - aber nicht für ein größeres Publikum hochgeladen.

Nach der zweiten Tat hat der Verdächtige nach Angaben der Polizei die Wohnung des 22-Jährigen wegen der Fahndung zunächst nicht verlassen. Zwei Tage habe er mit der Leiche des zweiten Opfers verbracht, bevor er sich am Donnerstagabend in einem Imbiss stellte.

Zum Thema:
Hunderttausende in Deutschland haben im Internet eine Audiodatei angehört, die das Geständnis von Marcel H. unmittelbar nach der Bluttat von Herne wiedergeben soll. Allein ein Clip auf einer privaten Facebook-Seite zur Fahndung nach dem 19-Jährigen verzeichnete bis Freitagmittag mehr als eine Million Abrufe. "Ich hab hier gerade den Nachbarn umgebracht. Fühlt sich ehrlich gesagt gar nicht so besonders an, um ehrlich zu sein. Meine Hand blutet jetzt, und das ist das Einzige, was mich daran stört." Er gehe davon aus, dass er sich in ein paar Tagen stellen lasse. "Vielleicht lock' ich noch 'nen Nachbarn rüber und mach' da das Gleiche."