B auleiter Hans-Jürgen Voshagen war mit seinen Leuten gut vorbereitet. Die Mitarbeiter einer bayerischen Rohr- und Brunnenbaufirma hatten den aus 990 Meter Tiefe herausgeschnittenen Kupferschieferkern schon ganz oben im Rohr. Ein paar routinierte Griffe - und die fünf Meter lange steinerne Wurst lag auf Metallböcken für die Öffentlichkeit zum Bestaunen bereit. Eine Vor-Ort-Analyse mit einem Spektrometer vor den Augen von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) ergab einen hohen Kupferanteil.Für die KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH hätte es dieser Bohrkernprobe am Mittwoch nicht mehr bedurft, um ihren Beschluss zu festigen. Es ging nur noch darum, das Engagement der Firma öffentlichkeitswirksam zu verkaufen und angemessen zu feiern. "2014, spätestens 2015", sagte KSL-Geschäftsführer Volker Spieth, "wollen wir mit dem Kupferbergwerk in Betrieb gehen." Die Stadt Spremberg muss dafür ihr Gewerbegebiet am östlichen Stadtrand bis an die Schienenstrecke Spremberg-Weißwasser erweitern. "Natürlich machen wir das gern", so Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) und freut sich schon jetzt auf die 1500 Arbeitskräfte, mit denen die KSL allein im Kupferbergwerk selbst rechnet. Hinzu kommen sollen weitere 1500 Jobs in Zuliefer- und Verarbeitungsbetrieben. Arbeit bekommen aber auch Verhüttungswerke außerhalb der Lausitz, in denen Metall und Gestein getrennt werden.Seit vergangenem Jahr hat die KSL im Raum Spremberg an drei Stellen probegebohrt. Dabei konnte die Tochterfirma des panamaischen Bergbaukonzerns Minera auf detaillierte Unterlagen und die Ergebnisse von mehr als 100 Probebohrungen aus DDR-Zeiten zurückgreifen.Minera-Boss Jim Gilbert, zu dem Festtermin am Mittwoch eigens aus dem US-Bundesstaat Utah eingeflogen, bedankte sich bei den Behörden für das Bereitstellen der Ergebnisse. "Das hat uns die Sicherheit gegeben, so viel zu investieren." Drei Millionen Euro hat jede einzelne der drei neuen Probebohrungen bei Spremberg und im nahen Schleife (Landkreis Görlitz) gekostet. 700 bis 800 Millionen Euro, schätzt KSL-Chef Spieth, werde das Bergwerk kosten.Dem gegenüber steht ein Preis für den begehrten Rohstoff von aktuell 5940 Euro die Tonne. Dabei hat sich das potenzielle Lausitzer Fördergebiet nach den Probebohrungen als doppelt so groß und reichhaltig erwiesen wie bisher angenommen. 200 Millionen Tonnen Kupferschiefer lagern dort, sagte Spieth. Erfahrungsgemäß seien zehn Prozent davon Kupfer. Daneben fielen aber noch weitere kostbare Rohstoffe wie Gold, Platin oder Silber an.Für die bayerischen Brunnenbauer, aber auch für Spülungsingenieur Hartmut Przyborowski und sein Familienunternehmen aus Stendal (Sachsen-Anhalt) neigt sich die Erkundungsarbeit in der Lausitz nun also dem Ende zu. "Vor dreißig Jahren", erzählt der 70-jährige Firmenchef, "habe ich schon einmal in der Lausitz gebohrt." Um Schachtvorbohrungen sei es damals nahe dem Spremberger Bahnhof gegangen. Die DDR sei kurz davor gewesen, das Lausitzer Kupfer zu bergen, kann sich auch Rentner Klaus John noch gut erinnern. Der ehemalige Bergmann kam Ende der 1970er-Jahre aus dem Mansfelder Land in die Lausitz und half dabei, Bergbau-Lehrlinge auszubilden, die am Ende aber nie in ein Lausitzer Kupferbergwerk eingefahren sind. Geschätzte vier Milliarden DDR-Mark für die Förderung waren den Planwirtschaftlern offenbar zu viel. "Im August 1980", erzählt der passend zum gestrigen Anlass im traditionellen Bergmannswehrkleid gewandete John, "kam vom zuständigen Ministerium das Schreiben: Die Aufbauleitung ist aufzulösen."Klaus-Peter Schulze kann sich an die Bohrungen in Spremberg zu DDR-Zeiten ebenfalls noch erinnern. Damals war er ein Schuljunge, heute ist er Bürgermeister der Stadt und sinniert gern über ihre Zukunft. Zwar dürften viele der neuen Jobs zunächst von Auswärtigen besetzt werden. Der Zuzug sei aber natürlich willkommen. Außerdem liefen schon jetzt Gespräche mit der Bundesagentur für Arbeit über Umschulungen. Und vor allem: "KSL wird ein großes Ausbildungsprogramm fahren, um seinen eigenen Nachwuchs aus der Region heranzubilden." KSL-Chef Spieth kündigte eine Bergwerkslaufzeit von 40, 50 Jahren an.Und die Gewerbesteuer? "Das dauert, bis die kommt", sagt Schulze, "über die kann sich später mein Nachfolger die Hände reiben." Auch das Land Brandenburg wird etwas vom Kupfersegen abbekommen. Ein Bergwerksunternehmen muss zehn Prozent seiner Erlöse an das jeweilige Bundesland abführen. Wohl auch deshalb war Brandenburgs Wirtschaftsminister Christoffers ebenfalls sehr erfreut. "Unsere Behörden werden ihr Projekt weiter unbürokratisch begleiten." Ein paar Hürden gäbe es noch, ergänzte Klaus Freytag vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe mit dem KSL-Antrag auf Verleihung der Bergrechte vor sich auf dem Rednerpult. Doch die nehme das Unternehmen auch noch.Mehr zum Kupferabbau inder Lausitz, zu Vorkommen, Abbaumethoden und Rohstoffpreisen unter www.lr-online.de/kupfer