Das Pflanzenband soll mehr Einheimische und Touristen in die Grenzregion locken; nicht nur in diesem Jahr, wenn die Nachbarstädte den 750. Geburtstag von Frankfurt (Oder) feiern. Heute wird der Europagarten eröffnet.
"Freuen Sie sich auf diesen Sommer!" heißt es in einem kleinen Faltblatt der Deutschen Bahn, das für das Projekt wirbt. Und: "Nur etwa 100 Kilometer von der deutschen Hauptstadt entfernt ist Frankfurt (Oder) mit dem Regionalexpress bequem in einer Stunde erreichbar." In der 70 000-Einwohner-Kommune am östlichen Rand Deutschlands wurden in den vergangenen Monaten Parks und Plätze aufgepeppt. An der Oder entstand eine moderne Promenade mit 750 japanischen Zierkirschen. Die Gewächse hat eines der größten Medienunternehmen Japans gespendet.

Frankfurt rückt näher an die Oder
Bislang war die Oder in Frankfurt an vielen Stellen hinter Brachland oder wilder Vegetation versteckt. Ein Spaziergang oder eine Radtour parallel zum Fluss waren nicht möglich. Frankfurt sei nun näher an den Fluss herangerückt, sagen Bewohner, und vergleichen die Stadt in dieser Hinsicht mit Dresden oder Hamburg. Ähnlich wie am Elbe-Strand in Hamburg sieht es nun auf der rund einen Kilometer langen Oderinsel "Ziegenwerder" aus. Dort stehen einen Sommer lang Palmen aus Nizza, samt Strand und Strandkörben.
Die rund 20 Hektar große Oder-Insel, die bisher in wild-romantischem Zustand war, lockt mit einem Kinderspielplatz, einem Open-Air-Kino, einem mobilen Hecken-Theater, einem Naturlehrpfad und Gewächshäusern mit exotischer Vegetation. Unter dem Motto "Natur überwältigt. Oder verbindet. Kultur fasziniert" wird das Wasser zur Kulisse für Kino, Theater, Musik und Show. Bis zum 5. Oktober gibt es im wenig kulturverwöhnten Frankfurt ein Open-Air-Programm - etwa die "Spanische Nacht" oder "Jazz an der Oder".
Das meiste Geld für das Europagarten-Projekt stammt von der Europäischen Union. Frankfurt bekommt auch Mittel vom Bund und dem Land. Allein auf der deutschen Oderseite können für den Europagarten insgesamt rund 14 Millionen Euro ausgegeben werden. Bei einigen Einzelvorhaben ist die Stadt mit bis zu 20 Prozent beteiligt. Auch die Besucher sollen sich an der Finanzierung beteiligen: Der Besuch der Oder-Insel kostet Eintritt.
220 000 Besucher soll der Europagarten in diesem Jahr an die deutsch-polnische Grenze locken. Auch die östliche Seite der Oder hat sich dafür schön gemacht. Die Straße der Arbeitereinheit, der Platz der Freundschaft, der Platz der Freiheit und der Platz der Helden im westpolnischen Slubice zeigen sich von ihrer besten Seite. Spaziergangsforscher laden zu Rundgängen beiderseits des Grenzflusses ein. Zweisprachige Werbeblätter versprechen: "Ost- und Westeuropa begegnen sich". Internet: www.europagarten2003.de

Hintergrund Europagarten
 Der Europagarten in Frankfurt (Oder) ist nach den Worten der Veranstalter keine Gartenschau . Andreas Bitter, Geschäftsführer der Messe- und Veranstaltungs-GmbH, sieht das deutsch-polnische Projekt als ein Natur- und Kulturfestiva l. "Wir veranstalten keine gärtnerische Leistungsschau". Bis zum 5. Oktober wird mit 220 000 Besuchern gerechnet. Herzstück der Anlagen ist die mit französischen Palmen, japanischen Zierkirschen und 75 000 von der Partnerstadt Heilbronn gestifteten Blumenzwiebeln begrünte Insel Ziegenwerder. Neben dem 20 Hektar großen Eiland wurden laut Bitter zwölf Flächen in Frankfurt (Oder) und Slubice zu einem "grünen Stadtring" gestaltet