Nach monatelangen Diskussionen einigten sich Asif Ali Zardari von der Volkspartei PPP und Ex-Premierminister Nawaz Sharif von der Pakistanischen Muslim-Liga (Nawaz/PML-N) gestern darauf, den umstrittenen Präsidenten Pervez Mu sharraf aus dem Amt jagen zu wollen. Der frühere Armeechef und Elitesoldat wird das kaum kampflos hinnehmen. Er hat in der Vergangenheit bewiesen, dass ihm zum Machterhalt selbst drastische Mittel recht sind. Mag der Ausgang des Amtsenthebungsverfahrens auch offen sein - klar scheint jedenfalls, dass der Machtkampf zwischen Regierung und Präsident Pakistan weiter destabilisieren wird.
Ob die PPP-geführte Koalition tatsächlich zwei Drittel der Abgeordneten im Parlament hinter sich vereinen kann, um Musharraf abzusetzen, ist keineswegs gewiss. Sollte diese Mehrheit verfehlt werden, würde die Regierung, in die die Pakistaner immer weniger Vertrauen haben, weiter geschwächt. Sollte sich wiederum Musharrafs Niederlage abzeichnen, könnte er das erst im Februar gewählte Parlament auflösen. Die Verfassung gäbe ihm theoretisch das Recht dazu. Ein solcher Schritt dürfte Musharraf im Volk allerdings endgültig diskreditieren, galt der Wahlsieg der PPP und der PML-N doch als Ohrfeige für seine selbstherrliche Politik.
Pakistan würde von einer derartigen Kampfansage Musharrafs wohl unweigerlich ins Chaos gestürzt werden. Dabei brennt es in der südasiatischen Atommacht schon jetzt an allen Ecken und Enden. In den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan gewinnen radikal-islamische Gruppen wie die Taliban immer weiter an Boden. Über weite Teile der Krisenregion hat die Regierung keine Kontrolle mehr. Das könnte auch für Teile des Sicherheitsapparates gelten. Der pakistanische Geheimdienst Isi wird von Afghanistan und Indien beschuldigt, hinter mehreren Anschlägen zu stecken.
Während die Koalition in Islamabad vorrangig mit sich selber beschäftigt zu sein scheint, verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage dramatisch. Die Inflationsrate ist auf 21 Prozent gestiegen, bei Lebensmitteln hat sie 30 Prozent erreicht. In der Hauptstadt Islamabad, die früher ununterbrochen Strom hatte, gehen inzwischen jeden Tag mindestens sechs Stunden die Lichter aus.
Mit dem Schlag gegen Musharraf lenkt die Regierung zumindest vorübergehend von der eskalierenden Krise im Land ab. Für die nächsten Tage hat die Koalition eine Sondersitzung des Parlaments beantragt, um das Amtsenthebungsverfahren einzuleiten. Am Montag ist Musharrafs 65. Geburtstag. Viel Grund zu feiern hat er nicht. Möglicherweise wird er aber bereits zuvor handeln und versuchen, sich die Macht zu sichern.