Doch während in Pakistan die Menschen feierten, reagierte das Ausland zurückhaltend. Die USA sprachen Musharraf gar "tiefste Dankbarkeit" aus, galt er im Westen doch als verlässlicher Verbündeter im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Trotz der außenpolitischen Anerkennung begann Musharrafs Stern im eigenen Land seit gut einem Jahr zu sinken. Mit dem Rückzug kommt er nun einem Amtsenthebungsverfahren zuvor, das seine Gegner in der Regierungskoalition gegen ihn betreiben. Als Schuldeingeständnis will Musharraf den freiwilligen Abgang freilich nicht verstanden wissen. Im Gegenteil: Die gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen entbehrten jeder Grundlage. Dennoch habe er sich "im Interesse Pakistans" zu diesem Schritt entschlossen.
"Ich fürchte keinen einzigen Punkt der Anklage", erklärte er in einer emotionalen Rede. Er habe immer im Interesse des Landes gehandelt, Persönliches habe nie eine Rolle gespielt. Dennoch werde er darauf verzichten, nun "persönliche Tapferkeit zur Schau zu stellen". "Denn ganz gleich, ob ich (das Amtsenthebungsverfahren) gewinne oder verliere, dieses Land würde daran zugrunde gehen." Die Menschen sehnten sich nach einem Ende der Krise, so der ehemalige Armeechef.
Musharrafs politische Gegner begrüßten dessen Rücktritt. In vielen Städten feierten die Menschen auf den Straßen. "Ich hoffe, nun zieht politische Stabilität in Pakistan ein", sagte Außenminister Shah Mahmood Qureshi von der Pakistanischen Volkspartei (PPP). Gemeinsam mit der Muslim-Liga (Nawaz/PML-N) bildet die PPP seit den Wahlen im Februar eine Koalitionsregierung. Und beide Parteien haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass die Entmachtung des ungeliebten Präsidenten ein Teil ihrer politischen Agenda ist.
Vor allem PML-N-Chef und Ex-Premier Nawaz Sharif hat massiv auf eine Amtsenthebung gedrängt. Nach Bekanntwerden des Rückzugs erklärte er, das Land "wurde von einem Diktator befreit. Auch Asif Ali Zardari, der Chef des großen Koalitionspartners PPP und Witwer der im Dezember ermordeten früheren Regierungschefin Benazir Bhutto, zeigte sich erleichtert - obwohl es zwischen ihm und Sharif seit der Regierungsübernahme zum Teil heftigen Streit um den Umgang mit Musharraf gegeben hatte.
"Nun muss die demokratisch gewählte Regierung zeigen, dass sie in der Lage ist, die Probleme des Landes zu lösen", erklärte Sharif. Beobachter allerdings warnen vor zu großem Optimismus. Bereits in den 90er-Jahren standen beide Parteien abwechselnd in Regierungsverantwortung - und lähmten sich nicht zuletzt durch ihre erbitterte Gegnerschaft gegenseitig. Erst das gemeinsame Feindbild Musharraf macht die jetzige Zusammenarbeit möglich. Ohne ihn könnten die alten Gräben wieder aufbrechen.
Offen ist auch, wie die Regierung in Zukunft mit den im Grenzgebiet zu Afghanistan operierenden Extremisten umgeht. Musharraf war mit harter Hand gegen diese vorgegangen. PPP und PML-N setzen dagegen auf Ausgleich. Zum Schrecken des Westens verhandeln sie mit einheimischen Taliban-Gruppen und scheren sich wenig um deren Aktivitäten jenseits der Grenze. US-Außenministerin Condoleezza Rice mahnte die Führung in Islamabad daher gleich vorsorglich, den Kampf gegen den Terrorismus nun zu "verdoppeln".
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Hintergrund Chronologie der Krise
9. März 2007: Musharraf setzt den obersten Richter Iftikhar Mohammad Chaudhry ab. Das führt zu Großdemonstrationen.
3. Juli: Koranschüler besetzen die Rote Moschee in Islamabad. Bei der Erstürmung am 10. Juli sterben mehr als 100 Menschen.
6. Oktober: Das Parlament und die Provinzparlamente bestätigen Musharraf im Präsidentenamt. Die Oppositionsparlamentarier boykottieren die Wahl.
25. November: Ex-Premier Nawaz Sharif kehrt aus dem Exil zurück.
28. November: Musharraf tritt als Armeechef zurück.
29. November: Mit der Vereidigung Musharrafs als Präsident werden acht Jahre Militärherrschaft in Pakistan formell beendet.
27. Dezember: Bhutto wird bei einem Anschlag während einer Wahlkampfveranstaltung getötet.
18. Februar 2008: Bei der Parlamentswahl erringt die Opposition einen überwältigenden Sieg. Gemeinsam haben die PPP der ermordeten Bhutto und die PML-N Sharifs rund 60 Prozent der Sitze.
7. August: Die Regierungskoalition beschließt die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Musharraf.