Wegen Verletzung des Postgeheimnisses und gewerbsmäßiger Hehlerei muss sich der 45 Jahre alte Zusteller ab diesem Dienstag (22. Oktober/9.00 Uhr) vor dem Amtsgericht Potsdam verantworten. Mit ihm auf der Anklagebank: Ein 40-Jähriger, der von dem Postboten eine Vielzahl von Briefen bekommen haben soll, um sie als Altpapier für fünf Cent pro Kilo zu verkaufen.

Auf rund 60 Seiten listet die Anklageschrift nach Angaben eines Gerichtssprechers die Vorwürfe auf. Demnach hat der Postbote in 61 Fällen insgesamt 1268 Sendungen, darunter 55 Pakete, nicht an die jeweiligen Empfänger zugestellt. Häufig soll er den Inhalt dann weiterverkauft haben.

Der 45-Jährige aus Potsdam war damals befristet angestellt - als Mitarbeiter des Briefverteilungszenters Stahnsdorf bei Potsdam. Nach Angaben der Deutsche Post DHL haben die Sicherheitsexperten des Unternehmens eng mit der Polizei zusammengearbeitet, um den Fall aufzuklären.

„Wir bringen generell jeden Fall zur Anzeige“, sagte eine Postsprecherin. Das Unternehmen versuche, mit Hilfe eines Qualitätsmanagements Unregelmäßigkeiten auszuschließen. „Gänzlich gelingt dies nicht bei rund 64 Millionen Briefen und etwa 3,2 Millionen Paketen täglich im Inland“, räumte die Sprecherin ein.

So entdeckte 2006 in Mannheim ein Spaziergänger in einem Weiher eine Tasche mit rund 400 Briefen und Postkarten, die zwischen dem 20. Februar und 1. März 2004 abgestempelt worden waren. Der damals niedrige Wasserstand hatte einen faulen Briefträger nachträglich überführt.

Ebenfalls in Baden-Württemberg hatte ein Zusteller im Jahr 2000 etwa 500 Sendungen unterschlagen. Der Mann aus Albstadt sortierte die Post in „Wichtiges und Unwichtiges“ - und entnahm Geld aus mehreren Briefen. Als er ertappt wurde, erklärte dieser, er sei wegen eines Umzugs unter Zeitdruck geraten. Aus seiner Sicht wichtige Briefe habe er verspätet zugestellt, die anderen in den Gelben Sack geworfen.

Wirklich faul jedoch war ein sardischer Briefträger: Nahezu 400 Kilogramm Post fand die Polizei in diesem Jahr bei dem Boten des Ortes Mores im Nordosten Sardiniens. Dorfbewohner hatten die Polizei alarmiert, weil sie seit geraumer Zeit keine Post mehr bekommen hatten.