Hubschrauber patrouillieren über Potsdam und Polizeiboote auf der Havel. Busse und Straßenbahnen werden gestoppt, eine Hauptverkehrsachse wird abgeriegelt und auch die Innenstadt zeitweise gesperrt. Wenn am Donnerstag die Außenminister der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu einem informellen Treffen mit großer Stadtrundfahrt in Potsdam zusammenkommen, wird es eng für Potsdamer, Pendler und Gäste.

"Zu Fuß wird die Stadt auf jeden Fall zu jeder Zeit und an fast jedem Punkt erreichbar bleiben", hält Stadtsprecher Stefan Schulz als kleinen Trost parat.

Das heißt: Für Autofahrer und selbst für Radfahrer ist am 1. September kaum ein Durchkommen. Aus Sicherheitsgründen sind nur wenige Sperrmaßnahmen im Vorfeld bekannt. So wird die Durchgangsstraße Pappelallee in der nördlichen Innenstadt bis zum Tagungshotel von heute bis Donnerstagabend komplett abgeriegelt, auch für Fahrradfahrer und Fußgänger. "Hausarrest" für die Anwohner bedeute dies aber nicht, unterstreicht der Sprecher des Polizeipräsidiums, Dietmar Keck. "Die Häuser sind alle von hinten erreichbar", versichert der Sprecher. Abschnittsweise abgeriegelt wird die Innenstadt von Nachmittag an, wenn die offizielle Konferenz durch ist. Denn dann besichtigen die Außenminister die russische Kolonie Alexandrowka und tingeln mit der historischen Straßenbahn durch das Zentrum. Anschließend kommt sogar der Schiffsverkehr auf der Havel zum Erliegen. Denn die Staatsmänner unternehmen eine Bootsfahrt vom Hafen der Weißen Flotte zur Glienicker Brücke. Dafür wird die Havel abschnittsweise gesperrt.

Die Brücke gilt als Symbol der früheren Teilung Europas. Während der deutschen Teilung gehörte sie halb zum Westen und halb zum Osten.

Im Kalten Krieg wurden auf ihr Agenten ausgetauscht. Steven Spielberg drehte auf ihr den Film "Bridge of Spies" mit Tom Hanks. Wenn die Außenminister das historische Bauwerk besichtigen, wird es natürlich auch gesperrt. Die normalen Touristen sollen davon aber nur wenig betroffen sein. "Unsere Ausflugsfahrten werden davon kaum behindert", versicherte eine Sprecherin der Weißen Flotte. "Es kann nur sein, dass man mal zehn oder 15 Minuten warten muss." Anders ist es bei den Stadtrundfahrten "Alter Fritz". "Wir werden definitiv unsere Routen vom Hauptbahnhof in Richtung Park Sanssouci ändern müssen, je nachdem, wie das mit der zeitweisen Sperrung der Havelbrücken läuft", sagte ein Sprecher. "Wenn beide großen Brücken gleichzeitig dicht wären, hätten wir ein Problem."

Das Auswärtige Amt hält sich sehr bedeckt zum Programm der Außenminister. So ist unklar, ob auch US-Außenminister John Kerry kommt, was zu noch weiter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen führen könnte.

Keck rechnet auf jeden Fall mit Hubschraubern über der Stadt, die ständig aktuelle Bilder für das Lagezentrum liefern. "Das ist bei einer solchen Lage nicht ungewöhnlich", sagte der Polizeisprecher. Denn rund um das Treffen sind auch Proteste angekündigt.