Das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen bangt um seine Puppenbühne. Intendant Lutz Hillmann weiß derzeit nicht, wie er in gut einem Jahr eine Haushaltslücke von 370 000 Euro ausgleichen soll. Von der Stiftung für das sorbische Volk bekommt die einzige zweisprachige professionelle Spielstätte Deutschlands schon seit 2010 jährlich 170 000 Euro weniger. Ab 2013 soll der Zuschuss um weitere 200 000 Euro reduziert werden. "Wenn die Kürzung ungebremst über uns kommt, steht die Sparte Puppentheater mit zwölf Mitarbeitern auf dem Spiel", sagt Hillmann.

Eine Kürzung nach der anderen

Die sorbische Stiftung fördert Kultur, Brauchtum und Sprache des kleinsten slawischen Volkes. Dafür erhält sie vom Bund sowie von den Ländern Sachsen und Brandenburg jährlich rund 16,8 Millionen Euro, die sie an Einrichtungen und für Projekte weiterreicht, etwa an das Bautzener Theater. Als Hillmann 1998 sein Amt als Intendant antrat, betrug die Förderung für die Spielstätte 1,8 Millionen Euro. Nur noch eine Million Euro wäre es für 2013, wenn die Stiftung bei ihren beschlossenen Sparplänen bliebe. "Wir haben eine Kürzung nach der anderen geschluckt", kritisiert Hillmann.

22 Stellen habe er in seiner Amtszeit abgebaut. Der Intendant findet es paradox, dass die Einsparung sein Haus ausgerechnet im 50. Jahr der Fusion von Stadttheater Bautzen und Sorbischem Volkstheater träfe. "Das ist keine Förderpolitik mehr."

Fünf Produktionen in Ober- und Niedersorbisch sind im Spielplan der laufenden Saison vorgesehen. Es stärke das Selbstbewusstsein einer Minderheit, wenn sie ihre Sprache auf der Bühne erlebe. "Das ist ungeheuer spracherhaltend", meint Hillmann. Gerade das Puppentheater habe seit 2001 etliche neue Auftrittsorte erschlossen und reise längst bis Vetschau, Spremberg und Cottbus in Brandenburg.

Die Sorbenstiftung will unterdessen Zuschüsse umschichten. Was beim Theater gestrichen werde, solle eher für Projekte in der Niederlausitz ausgegeben werden, macht Stiftungsdirektor Marko Suchy deutlich. Es liefen Verhandlungen, damit das fehlende Geld für die Bautzener Bühne aus anderen Quellen komme. Spielräume gibt es dafür allerdings kaum. "Das können wir nicht decken", räumt der Sekretär für den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, Joachim Mühle, ein.

Schon in diesem Jahr stand weniger Geld bereit, nachdem Ende 2010 eine Novelle des Kulturraumgesetzes für Sachsen beschlossen wurde.

Laut dem geplanten Haushaltsbeschluss für 2012 durch den Oberlausitzer Kulturkonvent sollen der Kultur in Ostsachsen insgesamt 16 Millionen Euro zugutekommen. Allein fast neun Millionen Euro seien für Theater eingeplant, sagt Mühle. Bautzen erhalte davon knapp zwei Millionen Euro. Insgesamt 6,8 Millionen Euro seien für das Gerhart-Hauptmann-Theater an den Standorten Görlitz und Zittau bestimmt. Der größte Anteil fließe dabei ins Musiktheater mit Orchester, Chor und Tanztheater.

Überall Stellenstreichungen

Die seit 2010 fusionierte Spielstätte im Landkreis Görlitz sieht sich ebenfalls Sparzwängen ausgesetzt. In diesem Sommer sei ein neuer Haustarifvertrag abgeschlossen worden, um ein drohendes Finanzloch für 2012 zu schließen, sagt Geschäftsführer Caspar Sawade. Auch ist die Rede davon, 24 der etwa 80 Stellen beim Schauspiel in Zittau zu streichen und die Zahl der Produktionen dort um die Hälfte auf sechs zu verringern.

Diese Pläne wurden bisher weder dementiert noch bestätigt. Beim Publikum regt sich jedoch heftiger Widerstand. Umso weniger hat Sawade daher Verständnis, wenn im ostsächsischen Kulturraum zugunsten des Bautzener Theaters umgeschichtet würde. "Die Stiftung für das sorbische Volk darf nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden", fordert er.