Auch strafrechtliche Folgen seien denkbar. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Fälle, die jetzt Aufregung verursachen, im Einklang mit dem westdeutschen Recht gewesen sind. Experimente ohne Einwilligung der Betroffenen halte ich für skandalös“, sagte Bergner dem Blatt.

Der Thüringer FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth will, dass sich der Bundestag einschaltet und die Vorfälle untersucht. „Die Skrupellosigkeit von SED und Westfirmen bei Pharmatests an DDR-Patienten bedeutet auch für den Bundestag Verantwortung“, erklärte er am Samstag. Aus seiner Sicht müssen sich die Parlamentarier neben der Aufarbeitung der DDR-Zwangsarbeit auch mit dem Vorwurf der Patienten-Experimente beschäftigen. „Und es wird Zeit, dass auch die Verantwortung der alten Bundesrepublik stärker hinterfragt wird“, sagte Kurth.

Am Freitag hatte der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet, dass Patienten in DDR-Krankenhäusern als Probanden für Arzneimittelversuche westdeutscher Pharmafirmen herangezogen wurden; auch ohne ihr Wissen. Für einzelne Studien sollen bis zu 860 000 D-Mark (knapp 440 000 Euro) an die DDR gezahlt worden sein.

Der Tagesspiegel beruft sich auf Unterlagen aus dem DDR-Gesundheitsministerium. In der Liste seien mehr als 50 Firmen aufgeführt, die bei dem Ministerium von 1983 bis zum Mauerfall 165
Medikamentenstudien in Auftrag gegeben hätten, hieß es.