Die Nachricht aus Oslo erreichte den SPD-Politiker während einer Besprechung über die Transit-Verhandlungen mit der DDR. Als viertem und bisher letztem Deutschen wurde ihm der damals mit 300 000 D-Mark dotierte Preis zuerkannt. Brandt spendete das Geld für karitative Zwecke.

Begründet wurde die Verleihung mit Brandts Einsatz für eine Aussöhnung mit Polen und Russland, jenen Ländern, die Deutschland 32 beziehungsweise 30 Jahre zuvor angegriffen hatte und sich so für den Tod von Millionen Menschen verantwortlich gemacht hatte. Ein Bild, das sich für die neue Ostpolitik eingebrannt hat, war der Kniefall am Mahnmal für die im Warschauer Ghetto ermordeten Juden am 7. Dezember 1970. Mit den Ostverträgen gelang es, Spannungen zu mindern, einen gemeinsamen Gewaltverzicht zu erreichen und den Weg zu einer friedlichen Koexistenz einzuschlagen. Weltweit wurde die Entscheidung für Brandt begrüßt. Er habe als Kanzler und zuvor in der Großen Koalition von 1966 bis 1969 als Außenminister die Hand zur Versöhnung zu den ehemaligen Gegnern ausgestreckt, so das Nobelpreiskomitee.

Doch daheim gab es auch deutlich spürbare Ablehnung, es wurde der Verdacht geäußert, die Juroren seien bestochen worden. Als Brandt selbst im Bundestag erschien, um eine Erklärung abzugeben, standen die Abgeordneten von SPD und des Koalitionspartners FDP auf und jubelten ihm zu. Die meisten Unionsabgeordneten blieben demonstrativ sitzen

Der Preis für Brandt änderte die politische Gefechtslage. Die Union, die die Ost-Verträge erbittert bekämpft und der SPD vorgeworfen hatte, bestehende Zustände zu zementieren und damit die Einheit Deutschlands aufzugeben, änderte langsam ihre Haltung. Brandt war nun auf dem Höhepunkt seiner Popularität, 1972 lautete im Bundestagswahlkampf der schlichte Slogan: „Willy wählen.“ Bei der Bundestagswahl erzielte die SPD unter Brandt mit 45,8 Prozent ihr bis her bestes Ergebnis.