Draußen vorm Skiverleih steht eine Schlange, der Lift läuft bis 22 Uhr heiß, auf dem Parkplatz davor sind Lücken zwischen all den Autos aus Rostock, Berlin, Bitterfeld, Cottbus, Meißen und sonst woher rar. Die Geschichte zeigt sich wieder mal ironisch. Nachdem der verheerende Augustregen dem Tourismus die letzte Saison verhagelte, sorgt der viele Schnee in den Winterferien für volle Gästebetten. Das Osterzgebirge in Goldgräberstimmung.
Jochen Löbel empfindet den Boom als ein Zeichen ausgleichender Gerechtigkeit. Der Lugsteinhof in Zinnwald, dessen Chef er ist, erlebt gerade einen Spitzenwinter. 90 Prozent Auslastung im Februar. Eine Belegung wie noch nie. Vergangenen Freitag hatten sie den totalen Höhepunkt: 294 Gäste in 112 Zimmern. „Da mussten wir jedes Gitterbett und jedes Sofa aktivieren“ , sagt Löbel. Denn auch ganz oben, auf 874 Metern, hatte der gigantische Niederschlag enormen Schaden angerichtet. Der Boden konnte die 400 Liter pro Quadratmeter nicht mehr aufnehmen. „Das Wasser“ , erzählt Löbel, „drückte an die Hotelwand wie an einer Staumauer. Dann schoss es durch die Kegelbahn bis ins Foyer.“ In den Büchern des höchsten Hotels im Osterzgebirge stehen 517 000 Euro Schaden und 300 000 Euro Umsatzeinbußen. Der Ertrag von zwei Monaten.

Seit dem Herbst wieder voll belegt
Doch schon seit den Herbstferien ist das 250-Betten-Haus wieder voll. Dank der groß angelegten Werbekampagne der Hoteliers und Wirte in der Region rollen die Gäste aus Berlin und Brandenburg, aus Hessen und Nordrhein-Westfalen über die B 170 an. „Manche Leute kommen ganz bewusst hierher. Die wollten uns nicht absaufen lassen“ , meint Löbel. Für ihn ist das das Glück des Tüchtigen.
Auch die Leipziger Rentner Rudolf und Doris Scheffler haben sich für ein paar Tage Zinnwald entschieden, nachdem sie im Reiseteil einer Zeitung darüber lasen. Mit zwei Töchtern aus dem Freundeskreis stapfen sie nun vier Tage durch die Traumlandschaft, wandern rüber nach Tschechien, in Sichtweite der Schneekoppe. „Das Wetter ist gut, das Haus gepflegt und wir haben Spaß. Was wollen wir mehr?“ , sagt Rudolf Scheffler. Recht hat er. Der Himmel zeigt sich von seiner blauesten Seite, die Tannen verneigen sich unter dem Schnee, nur der Rhododendron friert.

Auch viele Tagesgäste kommen
Auch viele Tagesgäste kommen jetzt, so wie Peggy, Cindy und Jens Oswald aus Niederbobritzsch bei Freiberg. Sie verbringen jeden Tag dieser zweiten Ferienwoche auf dem Altenberger Hang. Nur geschlafen wird Zuhause. „Das Benzin ist billiger als ein Quartier“ , sagt Jens Oswald. „Und tanken kann man günstig in Tschechien.“
Zurzeit ist in den hübschen Häuschen ohnehin kaum noch ein freies Bett zu bekommen, wie Sabine Gottschalk von der Fremdenverkehrsgemeinschaft „Östliches Osterzgebirge“ bestätigt. Sie trübt allerdings Hoffnungen, dass der Februar die Einbrüche vom Vorjahr kompensiert: „Das gute Geschäft mildert höchstens etwas die Ausfälle.“ Die Hauptwandersaison im Herbst sei total weggebrochen, obwohl die Region nur wenige Tage abgeschnitten war.